ÖGKV: Der Berufsverband der Pflegeberufe warnt - Fehlgeleitetes Krisenmanagement im Pflegeheimskandal

Kontrollen in Pflegeheimen werden Missstände nicht beseitigen

Wien (OTS) - Das Krisenmanagement der Stadträtin Pittermann schaut derzeit zu unserem Entsetzen so aus, dass die Verantwortung von oben nach unten abgeschoben wird und uns glauben machen will, dass mit vermehrten Kontrollen das Problem gelöst sei. Offensichtlich ist eine umfassende Problemlösung nicht angedacht und aus vergangenen Fehlern wurde nichts gelernt. Die Krankenschwestern des Pflegeheimes Lainz als Prügelknaben der Nation dastehen zu lassen, ist bezeichnend für die Einstellung von Frau Pittermann zum Pflegeberuf.

Bereits am 12. November 2002 führte Frau Christine Ecker, die Präsidentin des ÖGKV, ein persönliches Gespräch mit Frau Stadträtin Pittermann. Es war schockierend zu hören, dass die Stadträtin keinerlei Bedarf in Richtung Verbesserung der Ausbildung und der Gesamtsituation für die Pflegeberufe sieht. Sie fragte, wo sollten alle Schüler, die sonst nirgends untergebracht werden können, eine Ausbildung erhalten, wenn nicht in der Pflege? Generell sei ihrer Meinung nach der Beruf schwierig, nicht immer passend für jeden, aber dieses sei auch nicht zu ändern.

"Ich bin der Meinung, dass Kontrollen richtig und wichtig sind, im Sinne des Qualitätsmanagements. Kontrollen aber dafür zu missbrauchen, um den Druck auf die Pflegepersonen zu erhöhen, die unter schlechtesten Bedingungen alte und kranke Menschen zu pflegen haben, ist auch menschenverachtend," zeigt sich Christine Ecker empört. "Es soll mir jemand erklären, wie zwei Pflegepersonen 12 Stunden lang 30 oder mehr pflegebedürftige Menschen unter Einhaltung aller Qualitätskriterien versorgen können. Der Personalschlüssel auf dem Papier mag hoch sein, Fakt ist, dass das Personal genau dort fehlt, wo es am dringendsten gebraucht wird, nämlich am Pflegebett." Die Aussage "Es wird eh kontrolliert’ dient maximal dazu, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Gleichzeitig wird mit dieser Vorgehensweise erreicht, dass kaum mehr jemand den Pflegeberuf ergreifen will und sicherlich davor zurückschreckt, in der Altenpflege tätig zu werden. Inzwischen ist es sogar so weit, dass Pflegepersonen angehalten werden, bei Kontrollen Strukturmängel nicht anzuzeigen, da sie ansonsten mit Konsequenzen zu rechnen hätten. Diese Tatsache erstreckt sich leider bereits über mehrere Bundesländer.

Die Forderungen des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes: 1. Sofortmaßnahmen in Bezug auf: mehr Personal am Pflegebett mit entsprechender Ausbildung, bessere Bezahlung, unterstützende Angebote wie Supervision oder psychologische Betreuung für Pflegende, Fort- und Weiterbildung. 2. Bundeseinheitliches Pflegeheimgesetz in dem Qualitätskriterien klar geregelt sind, wie z.B. Personalschlüssel, Qualifikation der MitarbeiterInnen, Rechte der Heimbewohner, duales Führungssystem - d.h. die Pflegedirektorin steht zumindest auf derselben hierarchische Ebene wie die Heimleitung. 3. Aufwertung des Pflegeberufes beginnend bei der Ausbildung auf EU-Standard, d.h. formale Anhebung der Diplomausbildung auf Maturaniveau und die Einrichtung eines regulären Studienganges "Pflegewissenschaft". Die Einführung des neuen Berufes "diplomierter Sozialfachbetreuer" ist kontraproduktiv, da damit versucht wird, Personal so auszubilden, dass alle Tätigkeitsfelder im Gesundheits- und Sozialbereich billig abgedeckt werden können. Wir werden damit zum Ausbildungsstand der 70iger Jahre zurückkehren. Es ist vorauszusehen, dass Personen mit unzureichender Ausbildung permanent überfordert sind, mit den bekannten Folgen wie z.B. frühzeitiger Ausstieg aus dem Beruf. Wir fordern hingegen eine auf die Diplomausbildung aufbauende Weiterbildung für die Bereiche Geriatrie, Gerontologie und Gerontopsychiatrie. Unserer Meinung nach sind die Anforderungen in der Altenpflege nur mit entsprechender Sozial- und Fachkompetenz zu bewältigen. 4. Kontrolle des Pflegebereiches ausschließlich durch qualifiziertes Pflegepersonal wie z.B. gerichtlich beeidete Sachverständige der Gesundheits- und Krankenpflege. Keinesfalls können Ärzte, wie Frau Stadträtin Pittermann fordert, Kontrollinstanzen für die Pflegeberufe sein, weil sie dafür nicht kompetent sind. Dass dies nicht funktionieren kann, wurde im Ausland bereits mehrfach bewiesen. 5. Umsetzung zeitgemäßer Konzepte und Methoden für die Betreuung und Versorgung alter Menschen.

Wider besseren Wissens einen gesamten Berufsstand zu diffamieren mag in der momentanen Situation bequem und einfach sein. Die verantwortlichen Politiker müssen für derartige Vorkommnisse die Konsequenzen tragen und können diese nicht so einfach abschieben. Langfristig gesehen, auch in Hinblick auf den steigenden Pflegebedarf, ist diese Vorgehensweise völlig unverständlich und entbehrlich. Im Gegenteil, es sind dringend Maßnahmen erforderlich, die einen verstärkten Zustrom zur Ausbildung im Pflegebereich nach sich ziehen.

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) ist der Berufsverband aller Pflegeberufe Österreichs. Er ist gemeinnützig, unabhängig, überparteilich und interkonfessionell.

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