ÖGB-Frauen: ohne bessere Rahmenbedingungen wird "Recht auf Teilzeit" zur Falle

Rückkehrrecht auf Vollzeit und bessere Bewertung der Kindererziehung nötig

Wien (ÖGB). "Bundeskanzler Schüssel hat gestern im ORF-Sommergespräch wieder vollmundig ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes angekündigt. Doch ohne entsprechende Rahmenbedingungen wird das geplante Elternteilzeit-Modell der Regierung zur Karriere-Einbahn", stellt ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits fest. Die ÖGB-Frauen fordern ein Rückkehrrecht der Teilzeit-Arbeitenden auf Vollzeit, eine bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten in der Pensionsversicherung und eine Reihe weiterer Maßnahmen, damit Kind und Beruf besser vereinbar sind.++++

41 Prozent der berufstätigen Mütter sagen, dass ihr Einkommen zum Leben nicht ausreicht, geht aus dem gestern präsentierten Arbeitszeitklima-Index hervor. Teilzeit wird vielfach nur in wenig qualifizierten und schlecht entlohnten Bereichen angeboten. "Damit Teilzeit nicht zur Dauer-Zwangslösung für Mütter wird, sondern echte Chancen für Eltern bietet, vorübergehend ihre Arbeitszeit zu reduzieren, muss die Teilzeit mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeit gekoppelt werden", fordert Csörgits.

Als ungeeignet bewerten die ÖGB-Frauen die seitens der Regierung geplanten Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Eltern-Teilzeit: "Wenn es die Möglichkeit zur Elternteilzeit nur in Betrieben ab 20 Beschäftigten und bei einer Betriebszugehörigkeit von mindestens drei Jahren geben soll, werden viele das 'Recht auf Teilzeit niemals in Anspruch nehmen können. Und wenn sich die Wirtschaft durchsetzt, und das Recht überhaupt nur in Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten gelten soll, wird das Eltern-Teilzeitmodell gänzlich zum Minderheitenprogramm", sagt Csörgits. Dazu aktuelle Zahlen: Im Jahr 2001 arbeiteten 48 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer in Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten.

Verbesserungen fordern die ÖGB-Frauen auch hinsichtlich der pensionsrechtlichen Absicherung der Frauen. Denn aufgrund der 'Pensionsreform' der Regierung werden in Hinkunft nicht mehr die besten 15 Berufsjahre, sondern 40 Jahre für die Ermittlung der Pensionshöhe herangezogen. Frauen, die länger Teilzeit arbeiten, droht deshalb eine besonders niedrige Pension. "Sich auf die Beitragszahlungen des reichen Ehemannes zu verlassen, damit sie im Alter abgesichert sind, wie Frauenministerin Rauch-Kallat vor einigen Wochen gemeint hat, wird für die meisten teilzeitarbeitenden Frauen keine geeignete Lösung sein. Wir fordern eine Höherbewertung der Kindererziehungszeiten im Pensionsrecht. Im Zuge der Harmonisierung der Pensionssysteme muss es eine deutliche Aufwertung geben", sagt Csörgits. Der aktuelle Arbeitszeitklima-Index bestätigt, dass in Sachen Frauenpensionen dringender Handlungsbedarf besteht: 31 Prozent der berufstätigen Mütter fürchten schon jetzt, dass ihre Pension zum Leben nicht ausreichen wird. (mfr)

ÖGB, 10. September 2003
Nr. 738

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