Dritter Alarm wegen Pflegenotstand

Sollen 70-Jährige für 80-Jährige sorgen?

Wien (ÖGB). ÖGB-Expertin Monika Mauerhofer schlägt diese Woche bereits zum dritten Mal Alarm wegen Personalmangel im Bereich Krankenpflege. Mauerhofer, die Vorsitzende der ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe (ÖGB-FGV), stellt erbittert fest: "Die jüngsten Ereignisse waren vorhersehbar, weil die Arbeitsbedingungen in vielen Gesundheitsberufen auf längere Zeit nicht auszuhalten sind, wenn Abteilungen auf Monate personell unterbesetzt bleiben."++++

Prinzipiell gibt es zur Sicherung der notwendigen Mindeststandards für das Personal und die PatientInnen schon derzeit ausreichende gesetzliche Bestimmungen, wie z.B. die Qualitätssicherungsmaßnahmen der Krankenanstaltengesetze, die Pflegeheim-Verordnungen der Länder, das Arbeitnehmerschutzgesetz etc.

Doch in der Praxis sieht es oft so aus, dass die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen zur Sicherung einer Mindestqualität in der Pflege nicht immer von den Rechtsträgern in die Praxis umgesetzt bzw. ständig nachgeprüft werden.

Für eine sofortige Verbesserung der Situation wird man daher an einer personellen Mindestbesetzung und an der Verbesserung der Aus-und Weiterbildungsmaßnahmen nicht vorbeikommen!

Der ÖGB-FGV sind viele Probleme seit längerem bekannt, weil wir mit den Beschäftigten vor Ort laufend in Kontakt stehen. Zuletzt wurden im Herbst des Vorjahres 300 Beschäftigte in Oberösterreich über ihre Arbeitsbedingungen mittels Fragebogen befragt. Das Ergebnis war so erschreckend, dass beim Ludwig-Boltzmann-Institut eine Studie in Auftrag gegeben wurde, welche die Situation im Detail analysieren soll. Ziel der Studie ist es, die Verantwortlichen noch nachdrücklicher mit weiteren Argumenten auf die zum Teil unhaltbaren Zustände aufmerksam zu machen und Änderungen einzufordern.

Unsere Forderungen lauten daher neuerlich:
o Überprüfung des Ist-Zustandes in allen Einrichtungen,
o unverzügliche Beseitigung aller Mängel,
o die Einhaltung aller Qualitätskriterien.

70-Jährige sorgt für 80-Jährige

Überlegungen, dass in Zukunft Laien die Verantwortung in der Alten- und Krankenpflege übernehmen dürfen, tragen zu keiner Verbesserung der Situation bei. Da würde dann die 70-jährige Nachbarin ihre 80-jährige Nachbarin mit Sauerstoff und Medikamenten versorgen dürfen.

"Wir als ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe haben jedenfalls unseren Einspruch sofort deponiert und verlangen die sofortige Rücknahme des Paragraf 49 Abs. 7 Ärztegesetz", sagt Mauerhofer.

In Kürze soll auch ein neues Gesetz für die Ausbildung zum (diplomierten) Sozialfachbetreuer in Kraft treten. Obwohl der Entwurf viele gute Ansätze enthält, musste die ÖGB-FGV dagegen Einspruch erheben. Der Grund: Die ÖGB-FGV wurde erst sehr spät in die Vorarbeiten eingebunden. Nach diesem Gesetz sollen in Zukunft auch nur kurz angelernte Heimhilfen Medikamente etc. verabreichen dürfen. Die Verantwortung für Fehler verbleibt dann wohl letztendlich bei diesen medizinischen Laien.

Mauerhofer: "Es ist völlig unverantwortlich, dass medizinische Laien, auch nach fachlicher Anleitung, Medikamente verabreichen dürfen!" Die FGV-Vorsitzende verlangt nun heuer bereits zum zweiten Mal von den beiden zuständigen MinisterInnen Rauch-Kallat und Haupt, dass Sie endlich bessere Arbeits- und Pflegebedingungen schaffen.

ÖGB, 10. September 2003
Nr. 736

Rückfragen & Kontakt:

Monika Mauerhofer
Bundesvorsitzende der ÖGB Fachgruppenvereinigung
für Gesundheitsberufe
Telefon: (01) 313 16 / 83660 DW oder 0664 / 307 58
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