Initiative "CSR Austria": Kein Unternehmen lebt in einem gesellschaftspolitischen Vakuum!

Dialog mit Stakeholdern und Zivilgesellschaft startet am 9. September - CSR-Leitbild der österreichischen Wirtschaft bis Ende 2003 fertig

Wien (PdI) - Die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) ist derzeit aktueller und brisanter denn je. Laut einer aktuellen Studie, die unter IV-Mitgliedern durchgeführt wurde, setzt sich der Großteil der Befragten mit seiner gesellschaftlichen Rolle und der damit verbundenen Verantwortung aktiv auseinander. 75 Prozent der befragten Unternehmen verfügen bereits über ein unternehmensspezifisches Wertesystem. Österreichs Unternehmer verstehen sich dementsprechend als Vorreiter in Sachen CSR. Anders sehen das oft die Zivilgesellschaft und die NGOs: Sie fordern von den Unternehmen mehr gesellschaftliches Engagement und "echtes" Commitment.

"Gerade weil die Positionen von Unternehmen und Zivilgesellschaft oftmals auseinander gehen, lädt die österreichische Wirtschaft Stakeholder und Vertreter der Zivilgesellschaft zum Dialog ein. Die Zivilgesellschaft hat die Einladung angenommen, wie zahlreiche Anmeldungen zeigen. Bis Jahresende soll ein breit getragenes CSR-Leitbild der österreichischen Wirtschaft entwickeln werden", betonte DI Peter Mitterbauer, Präsident der Industriellenvereinigung. "Ein weiteres Ziel der Initiative "CSR Austria", die von Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und dem BMWA ins Leben gerufen wurde, ist die Information der Bevölkerung über die Leistungen österreichischer Unternehmen für die Gesellschaft."

Gleichzeitig sollen Unternehmen motiviert werden, ihr Engagement zu verstärken und dieses auch verstärkt zu kommunizieren. "Wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlich verantwortliches Verhalten sind kein Widerspruch, sondern ein Wettbewerbsvorteil!", so Mitterbauer.

Wirtschaft und Börse würden zunehmend erkennen, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zukunftsfähige und sichere Unternehmen seien. Zusätzlich sei CSR im "Wettbewerb um die besten Köpfe" ein effizientes Instrument der Mitarbeiterbindung geworden und werde auch für die Kundenbindung zunehmend wichtig.

Es gibt kein universelles CSR-Konzept

"Das Bewusstsein, welche Chancen in einer aktiven Anwendung des CSR Gedanken liegt, ist leider noch nicht sehr weit verbreitet. Zur Zeit haben vor allem große multinationale Unternehmen CSR-Strategien entwickelt. Diese Strategien sind jedoch für einen Großteil der österreichischen Unternehmen nicht umsetzbar bzw. können nur bedingt als Modell für die Klein- und Mittelbetriebe herangezogen werden.", gab Dr. Reinhold Mitterlehner, stv. Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich zu bedenken. "Es kann kein universelles CSR-Konzept geben!"

Die Mehrheit der KMU nähmen bereits ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, ohne dass es ihnen direkt bewusst wäre. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch sei daher gerade für KMU besonders wichtig, um sie bei der Entwicklung von, auf ihr jeweilige Unternehmensgröße angepassten, Strategien zu unterstützen.

CSR als freiwillige Leistung von Unternehmen

Wichtig sei die Feststellung, dass die gesellschaftliche Verantwortung eine freiwillige Leistung der Unternehmen bleibe, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehe. CSR sei kein Ersatz für die bestehenden Rechtsvorschriften, noch soll es dazu führen, neue einschlägige Rechtsvorschriften zu entwickeln, waren sich Mitterbauer und Mitterlehner einig. "Das Erwirtschaften von Gewinnen als Unternehmensziel wird durch CSR nicht in Frage gestellt, lediglich das Wie!"

"Unzweifelhaft ist es in erster Linie Sache der Unternehmen und Manager selbst, ein Verständnis von verantwortlichem sozialem Verhalten zu entwickeln und umzusetzen. Moralisches Handeln ist immer eine Sache des "Sollens", nie des "Müssens". Botschafter Dr. Franz Ceska unterstrich die zentrale Bedeutung der Freiwilligkeit, des über gesetzliche Verpflichtungen Hinausgehens, für alle CSR-Initiativen.

Ceska verwies darauf, dass immer mehr Unternehmen die Wichtigkeit einer "Kultur der wirtschaftlichen Verantwortlichkeit" einsähen. Als Beweis sei nur die in den letzten Jahren stark gestiegene Anzahl von internen Unternehmens-Verhaltenskodizes angeführt. Ein gutes Beispiel bietet der neue, umfassende "Code of Conduct" der ÖMV.

Auch auf europäischer Ebene wird das Thema "CSR" stark diskutiert, fordert doch die Lissabon Strategie auch soziale Verantwortung der Unternehmen ein: Im Rahmen eines Multi-Stakeholder-Dialog erarbeiten 188 Delegierte aus Wirtschaft, Wirtschaftsorganisationen, Angestelltenvereinigungen, nichtstaatlichen Organisationen und europäischen Anstalten bis Sommer 2004 gemeinsame Schlussfolgerungen zum Thema "CSR". "Die Europäische Kommission, die diesen Dialog ins Leben gerufen hat, agiert bei der Verbreitung des CSR-Konzepts als Katalysator und propagiert die Einbindung aller interessierten Kreise", zeigte sich DI Karl G. Doutlik, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, zufrieden. In Anbetracht der österreichischen Unternehmensstruktur sei ihm besonders wichtig, dass KMU-Anliegen ausreichend berücksichtigt würden.

Die weiteren Schritte der Initiative

Am 9. September fällt im Rahmen einer Auftaktveranstaltung, bei der hochrangige Repräsentant/innen der Gesellschaft, der Sozialpartnerschaft sowie internationaler Organisationen zum Gesamtprozess und zu den Hauptaspekten des Leitbildes Stellung nehmen können, der Startschuss zum österreichischen Stakeholder-Dialog: Bis zum Jahresende soll ein breit getragenes österreichisches CSR-Leitbild erarbeitet werden. Dieses soll allen Unternehmen eine fundierte Grundlage bieten, auf freiwilliger Basis gesellschaftliche und nachhaltige Belange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.

CSR-Konferenz

Am 30. September werden dann rund 150 Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialpartnerschaft in fünf parallelen Workshops an den einzelnen Themen des Leitbildes arbeiten. Themen sind die ökonomische Dimension von CSR (fairer Wettbewerb, Corporate Governance und Lieferantenkette) und die ökologische Dimension (Ökoeffizienz, Vorsorgeprinzip und Klimaschutz). Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der sozialen Dimension von CSR: In drei Workshops werden die Themen Mitarbeiter/innen -Gesundheit - Sicherheit, Menschenrechte -Entwicklungszusammenarbeit - Korruptionsbekämpfung sowie die Beziehungen der Unternehmen zur Gesellschaft (regional, national, international, Gesellschaft, Politik, Konsument/innen, Lieferant/innen ...) diskutiert.

Nach der Konferenz wird ein Forum auf der Homepage www.csr-austria.at eröffnet, um den Prozess der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über dieses Forum können Anregungen eingebracht werden, die im Prozess der Erstellung des Leitbildes zu CSR Berücksichtigung finden.

Den Abschluss bildet ein Festakt am 3.12.2003 mit der Präsentation des CSR-Leitbildes.

Daneben sollen durch eine Informationskampagne und eine Bundesländer-Roadshow CSR-Modelle sowohl den Unternehmen als auch breiten Teilen der Öffentlichkeit näher gebracht werden und dazu beitragen, das Vertrauen in die Unternehmen zu stärken.

Weitere Informationen:

www.csr-austria.at

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
Tel.: (++43-1) 711 35-2306
Fax: (++43-1) 711 35-2313
info@iv-newsroom.at
http://www.iv-net.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001