Caritas,Heilsarmee und Volkshilfe: Sozialhilfe darf keine Sackgasse sein (2)

Pläne zur Streichung der Notstandshilfe neu überdenken

Wien (OTS) - Scharf kritisiert wird seitens der Volkshilfe Wien
auch die geplante Abschaffung der Notstandshilfe und Eingliederung in die Sozialhilfe. "Mit einer Umsetzung der von der Regierung angekündigten 'Sozialhilfe neu' wäre das soziale Elend vorprogrammiert", so Walter Kiss, Geschäftsführer der Volkshilfe Wien im Rahmen der Präsentation von "ways to work" heute vormittag von Volkshilfe, Heilsarmee und Caritas Wien.

Neben fehlenden Versicherungsleistungen sieht Kiss auch im wesentlich geringeren Einkommen eine weitere gravierende Verschlechterung für alle Betroffenen. Es wäre eine große politische Herausforderung die SozialhilfeempfängerInnen in den Arbeitsmarkt und somit auch in die Gesellschaft zu integrieren, anstatt sie noch weiter ins Aus und somit in den sozialen Abgrund zu drängen. "Mit der 'Abschiebung' der Menschen in die Sozialhilfe werden weder die Gründe der Erwerbslosigkeit wirksam bekämpft noch die Menschen vor Armut bewahrt", wehrt sich Walter Kiss gegen das geplante Regierungsprogramm. Es scheint unter dieser Regierung in Mode zu sein, sozial Schwache weiter zu benachteiligen und ihnen jegliche Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu nehmen." Sollte die "Sozialhilfe neu" tatsächlich so umgesetzt werden, wäre das in jeglicher Hinsicht ein Armutszeugnis für die gesamte Regierung.

Langzeiterwerblose haben höchstes Armutsrisiko

Caritasdirektor Michael Landau verwies auch auf die dramatischen Folgen, wenn nicht auf die auf Freiwilligkeit basierende Aktivierung gesetzt wird. Menschen werden zu "Verzichtbaren für den Arbeitsmarkt" wandern auf das "Abstellgleis im arbeitsmarktpolitischen Niemandsland" mit der Punze "unvermittelbar" und das "mit allen Folgen für die psychische und physische Gesundheit und soziale Integration". Damit würden die Menschen "in das Aus, aus der Gesellschaft hinaus gesteuert" macht Landau deutlich. Denn die Haushalte von langzeiterwerbslosen Menschen haben in Österreich, so Landau, ein dreimal so hohes Armutsgefährdungsrisiko und ein viermal so hohes Risiko, von akuter Armut betroffen zu werden. "Sie sind die Gruppe mit dem höchsten Armutsrisiko in Österreich."

Sozialleistungen zu kürzen ist untaugliches Steuerungsinstrument

Strikt verwehrt sich der Caritasdirektor gegen die "Empfehlung, Sozialleistungen an langzeitarbeitslose Menschen zu kürzen und den Zugang zu erschweren, um notwendige Anreize zu schaffen, wieder Erwerbsarbeit aufzunehmen."Langzeitstudien, aber auch die Erfahrungen der Caritas, wie auch anderer NGOs zeigen eindeutig:
langzeitarbeitslose Menschen wollen arbeiten - es geht nicht um das 'Wollen', sondern um das 'Können'!"
Landau: "Die Menschen wollen arbeiten. Viele von ihnen suchen Arbeit wie einen Bissen Brot. Dabei wollen und müssen wir sie unterstützen. Auch durch dieses neue und gemeinsame Projekt!" Und Landau betont die Erfahrung, dass sich mehr erwerbslose Menschen um eine Teilnahme bei den Projekten bewerben, als aufgenommen werden können.

Krankenversicherung, Verdienstmöglichkeit und ams-Leistungen

Michael Reiter, Geschäftsführer der Volkshilfe Beschäftigungsinitiativen (VHBI) sieht drei erste Konsequenzen aus den Erfahrungen von "ways to work" in der Arbeit für und mit Sozialhilfeempfängerinnen:

SozialhilfeempfängerInnen sollen, so Reiter, ein Recht auf Krankenversicherung haben, die Möglichkeit des Dazuverdienens ohne Beschränkung auf ein halbes Jahr und den Zugang zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

Stigma Sozialhilfe-Krankenschein

Viele SozialhilfeempfängerInnen empfinden den sichtbaren Unterschied der Krankenscheine als stigmatisierend und trauen sich aus diesem Grund oft gar nicht, ÄrztInnen aufzusuchen. Einen Schritt zur Normalität und den Wegfall der Stigmatisierung würde eine Krankenversicherung für SozialhilfeempfängerInnen bei der Krankenkasse darstellen. in Deutschland eine Diskussion, dass es für die Länder billiger wäre, SozialhilfeempfängerInnen zu versichern, anstatt die Behandlungskosten selbst zu bezahlen.

Fehlen von Perspektiven

Beschäftigung als Ausweg aus der Sozialhilfe war bisher nur schwer zu finden. Z.B gibt es keinen Zugang zu Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen des AMS, da Sozial-hilfeempfänger nur als arbeitssuchend vorgemerkt sind und keine AMS-Leistungen erhalten.

Ways to Work - das bedeutet nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt

Mit Ways to Work gibt es nun Strukturen zur Integration in den Arbeitsmarkt, die über "Hilfe zur Arbeit" hinausgehen. Wer länger als zwölf Monate Sozialhilfe bezogen hat, durfte bisher ein halbes Jahr einer geringfügige Beschäftigung nachgehen - ohne Abzug.
"Dieser Zeitraum ist oft für eine schrittweise Reintegration in den Arbeitsmarkt zu kurz", so Reiter.

Ways to work - zeigt Wege zur Arbeit

In Wien gibt es (im monatlichen Durchschnitt) ca. 31.000 SozialhilfeempfängerInnen. Viele dieser Frauen und Männer sind langzeitbeschäftigungslos oder haben noch nie gearbeitet und haben dadurch sehr geringe Chancen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Ways to work zeigt, dass es falsch ist vor den komplexen Problemlagen wie körperliche und psychische Beeinträchtigungen, Schulden, präkere Wohnsituation, Suchtproblematiken... zu resignieren, sie als unüberwindbare Vermittlungshindernisse zu betrachten. "ways to work" zeigt, auch hier gibt es "Wege zur Arbeit", die allerdings von der Politik auch gewollt und begehbar gemacht werden müssen. Die vier Teilprojekte - clear it (Volkshilfe Wien), holzfabrik (Heilsarmee), profare (Volkshilfe Beschäftigungsinitiativen) und work_train (Caritas Wien) bieten bis zu 60 Frauen und Männern Unterstützung und Entwicklung auf ihrem persönlichen "Weg zur Arbeit".

Schon nach kurzer Laufzeit macht das von den drei NGOs entwickelte Modell deutlich, bei entsprechenden Rahmenbedingungen, die zB. Änderungen bei der derzeitigen Praxis der Sozialhilfe notwendig machen, kann der "Weg zur Arbeit" gelingen.
ways to work ist eine Entwicklungspartnerschaft im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsinitiative Equal, deren zentrales Anliegen es ist, bestehende Ungleichheiten und Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen.Das Projekt wird zu gleichen Teilen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefördert.

Informationen zu allen Projekten unter www.ways-to-work.at und bei der Projektkoordinatorin, Mag. Roswitha Kikowsky, Beratungszentrum clear it,für arbeitsuchende Menschen mit Sozialhilfebezug,Volkshilfe Wien,Equal-Projekt ways to work Hütteldorferstraße 46/2/11, A-1150 Wien, Tel + 43 (0)1 / 92 91 373- 12, Mobil + 43 (0)676 / 88 666 204, Fax +43 (0)1 / 92 91 373-73 ,roswitha.kikowsky@volkshilfe-wien.at,www.ways-to-work.at

Heilsarmee, Öffentlichkeitsarbeit, DSA Daniel Zimmermann, Tel.: 214 48 30

Rückfragen & Kontakt:

Caritas der Erzdiözese Wien, Pressesprecher Peter Wesely, 0664/1838140
Volkshilfe Wien, Öffentlichkeitsarbeit, Mag. Elisabeth Dulik, Tel.: 360 64-79

Volkshilfe Beschäftigungs Initiativen, VHBI Öffentlichkeitsarbeit, Astrid Kasparek,
Tel: 01/408 32 32-17 oder Mobil: 0676/409 52 63

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