Lunacek: OMV flüchtet sich nach Sudan-Debakel aus der Verantwortung

Grüne fordern von OMV die Finanzierung von Maßnahmen zur Flüchtlingsrückführung

Wien (OTS) "Nach dem unüberlegten Einstieg in die Ölexplorationen im umkämpften Süd-Sudan hätte die OMV nun Verantwortung zeigen und ihr wirtschaftliches Gewicht als Unternehmen eines EU-Landes für den Friedensprozeß nutzen müssen", kritisiert die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, die heute bekanntgegebene Entscheidung des österreichischen Ölkonzerns, die 1997 im Sudan erworbenen Anteile an ein indisches Unternehmen zu verkaufen. Das "Debakel der OMV" hatte sich, so Lunacek, in den vergangenen Monaten schon abgezeichnet: Nach massiver Kritik der Grünen und zahlreicher Menschenrechtsorganisationen musste die OMV zugeben, dass ihr Einstieg vor sechs Jahren unüberlegt war und dass ihr Engagement in einem Kriegsgebiet für die ansässige Bevölkerung Vertreibung, Elend und Not bedeutet hat. Zweitens hat sie diese Kritik erst im Frühling 2002 ernst genommen. Die danach in Auftrag gegebene Studie bestätigte die Kritik der Grünen: Die Ölexplorationen im seit Jahrzehnten zwischen dem Regime in Khartoum und der Rebellengruppe SPLA umkämpften Gebiet hatten die Menschenrechtsverletzungen verschärft.

"Ein Code of Conduct genügt nicht," beurteilt Lunacek die seit kurzem begonnenen Bemühungen der OMV, einen Verhaltenskodex für ihr Unternehmen einzuführen: "Ohne Kontrolle durch unabhängige Instanzen wird jedem in einem ökologisch oder sozial sensiblen Region tätigen Öl-Unternehmen nach dem Sudan-Debakel der OMV der Makel anhaften, seine Sozial-, Menschenrechts- und Umwelt-Bilanz verschleiern zu wollen." Die OMV könne schon bei ihren im Regenwaldgebiet Ecuadors geplanten Beteiligungen zeigen, ob sie ihren eigenen Anforderungen gerecht werde, spielte Lunacek auf weitere Pläne des Erdölkonzerns in einer ökologisch und sozial sensiblen Region an.

"Mit ihrem Rückzug gibt die OMV ihr Scheitern zu. Sie gesteht damit ein, dass auch die österreichischen Erdölexplorationen im Kriegsgebiet indirekt zu Menschenrechtsverletzungen beigetragen haben," so Lunacek. Gerade für den jetzigen Friedensprozeß wäre die Präsenz des letzten im Sudan verbliebenen Unternehmens aus einem EU-Land wichtig, denn sowohl das Regime in Khartoum als auch die Rebellen um John Garang sind aus wirtschaftlichen Gründen an guten Beziehungen zur EU interessiert. "Die OMV sollte nun wenigstens bereit sein, einen entsprechenden Geldbetrag für die Rückführung von Flüchtlingen im Rahmen des Friedensprozesses in die Region der bisherigen OMV-Explorationsblöcke zur Verfügung zu stellen," fordert die Lunacek abschliessend.

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