Niederwieser zu Schulreform: Gehrer darf Verantwortung nicht abschieben

SchülerInnen müssen positiv motiviert werden

Wien (SK) Es sei die Aufgabe des Ministeriums, Entwicklungsvorbereitungen für eine Verbesserung des österreichischen Schulsystems zu leisten - "Ministerin Gehrer kann und darf ihre Verantwortung hier nicht abschieben", erklärte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser am Freitag in einer Pressekonferenz zum Thema "Schul-Lust statt Schul-Frust". 100.000 SchülerInnen, die bereits Wochen vor Schulbeginn für ihre Wiederholungsprüfungen lernen müssen, seien der eindeutige Beweis, dass das "derzeitige Beurteilungssystem erhebliche Schwächen aufweist". "Man kann und muss etwas dagegen tun - in den Schulen muss mehr Rücksicht auf das einzelne Individuum genommen werden, um die Schüler positiv zu motivieren", unterstrich Niederwieser. ****

Niederwieser konstatierte, dass das Schuljahr zwar erst nächste beziehungsweise übernächste Woche beginnen würde, dennoch würde ein beträchtlicher Teil der SchülerInnen - 100.000 junge Menschen müssen sich einem "Nachzipf" stellen - schon seit Wochen für die Schule lernen. Sollten die Betroffenen diese Wiederholungsprüfung nicht schaffen, bedeute dies für rund 50 Prozent der SchülerInnen den "Anfang vom Ausstieg aus dem Schulsystem". Grund genug, ernsthaft über eine Reform des mangelhaften Beurteilungssystems in Österreichs Schulen nachzudenken, so der SPÖ-Bildungssprecher. Niederwieser weiter: "Wenn Bildungsministerin Gehrer meint, es geht nicht anders, und sie nichts anderes tut, als den Schülern gut zuzureden, fleißig zu lernen, nimmt sie ihre politische Verantwortung nicht wahr", kritisierte Niederwieser.

Die SPÖ sei überzeugt, dass ein besserer Weg im Beurteilungssystem der Schulen möglich ist, meinte Niederwieser. Internationale Ländervergleiche würden beweisen, dass Kurssysteme mit individueller Betreuung, wesentlich bessere Ergebnisse erzielen, als Schulsysteme mit Jahrgangsklassen, wie dies in Österreich oder Deutschland der Fall ist.

Als kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in den Schulen, schlug Niederwieser daher vor, dass das Aufsteigen von SchülerInnen mit einem "Nicht genügend" möglich sein sollte, sofern sie nicht schon einmal in diesem Gegenstand negativ beurteilt wurden. Darüber hinaus sollten die Eltern bei der Entscheidung über eine Klassenwiederholung eingebunden werden, die Möglichkeit einer nachträglichen Überprüfung einer Schularbeitsnote gegeben sein, eine Objektivierung der Testverfahren eingesetzt, externe Evaluierungen von Schulen mit überdurchschnittlichen Durchfallquoten durchgeführt, ein Bonussystem für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt und vermehrt Schulversuche im Zusammenhang mit Aufstiegskriterien und Leistungsbeurteilung zugelassen werden. Um auf die einzelnen Stärken und Schwächen der Schützlinge von Seiten der Lehrer und Eltern besser eingehen zu können, forderte der SPÖ-Bildungssprecher die Etablierung von "Leistungsbiografien in der Direktion mit vollem Einsichtsrecht für Erziehungsberechtigte und eigenberechtigte SchülerInnen".

Mittelfristig müsste die Einführung der modularen Oberstufe angestrebt werden - "hier dauern die Vorbereitungen bereits viel zu lang", monierte Niederwieser. Weiters sollte die "Kultur der Zielsetzung und Evaluierung der Zielerreichung" bei individuellen Lernzielen als auch jene einer Arbeitsgruppe, Klasse oder Schule ausgebaut werden. Im Bereich des Ausbaus von ganztägigen Schulformen und Betreuungsangeboten sei es inakzeptabel, wenn Gehrer meine, "das interessiere sie nicht - das ist Ländersache". Schließlich sei es die "Aufgabe des Ministeriums hier Entwicklungsvorbereitungen zu leisten", so der SPÖ-Bildungssprecher. Es reiche nicht aus zu sagen, "es hat ja niemand etwas vorgeschlagen" - "Bildungspolitik heißt auch gestalten", schloss Niederwieser. (Schluss) dp

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