Wertediskussion bleibt wertlos, solange die Rahmenbedingungen nicht passen

Linz (OTS) - Man braucht keine Hellseherin zu sein um
vorauszusagen, dass die derzeit geführte Wertediskussion ("Kinder kriegen, statt von Party zu Party zu rauschen") die Österreicher und im Besonderen die Österreicherinnen nicht dazu bewegen wird, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Die AK-Frauenredaktion wünscht sich statt pauschaler Verunglimpfungen ein Ende des Sozialabbaus und bessere Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen.
Das Kindergeld für alle hat den gewünschten Effekt, nämlich eine signifikante Erhöhung der Geburtenzahlen, nicht gebracht. Da ist guter Rat teuer. Die Regierung macht e sich einfach und knallt der "double-income-no-kids-Gesellschaft" eine vor den Latz. Wo es wertemäßig langgehen soll, wird auch gleich verraten: fröhliche Kinderschar statt Feriendomizil in Lech.
Die wahren Ursachen für die niedrigen Geburtenraten dürften allerdings mit der politischen Großwetterlage zusammenhängen. Im Folgenden ein paar Beispiele für Sozialabbau und Fehlentwicklungen, die zu bekämpfen mehr bringen würde als eine realitätsferne Wertediskussion:
Die weitere Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten stellt im Besonderen die im Handel beschäftigten Frauen vor schier unüberwindbare Probleme.
Die hohe Zunahme der atypischen Beschäftigungsverhältnisse von Frauen ohne ausreichende sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung wird auch noch als Beschäftigungswunder verkauft.
Die "Pensionssicherungsreform" trifft aufgrund der Verlängerung des Durchrechnungszeitraumes und der Senkung des Steigerungsbetrages Frauen besonders hart.
Dem Kindergeld für alle wird laut jüngsten Studien ein beschäftigungshemmender Effekt attestiert.
Österreichweit fehlen laut Statistik Austria 90.000 Kinderbetreuungsplätze (48.000 Betreuungsplätze fehlen, bei 42.000 Kindern besteht zusätzlicher Betreuungsbedarf). Die Bundesregierung nimmt das achselzuckend zur Kenntnis uns erklärt sich für nicht zuständig.
Laut Lohnsteuerstatistik 2001 verdienen die Österreicherinnen nur 60 Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommens der Österreicher.
Von einer Senkung des Spitzensteuersatzes, wie sie derzeit diskutiert wird, würden Männer 13 mal so viel profitieren wie Frauen.

Die höheren Geburtenraten in Frankreich oder Schweden zeigen übrigens deutlich: Wo die Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen stimmen, gibt es auch mehr Kinder.

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