"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Unmoralische Erwartungen (von Brigitte Burger)

Ausgabe vom 29.08.2003

Klagenfurt (OTS) - Dank moderner Verhütungsmittel sind Kinder in der heutigen Zeit ein Ereignis, das nicht mehr "passieren" muss. Im Idealfall gehören zur Geburt eines Kindes zwei Menschen, die sich gern haben und die in diese Liebe auch das zu erwartende Leben mit einschließen. In den neuen Erdenbürger werden, schon bevor er das Licht der Welt erblickt hat, viele Hoffnungen und Erwartungen gesetzt.

Verfolgt man die derzeit laufenden politischen Diskussionen, so scheint es, als wäre der Hauptzweck, Kinder zu haben, die Erwartung, dass diese den "Generationenvertrag" erfüllen bzw. als "Zukunftssicherung" fungieren. In meinen Augen nicht nur ein unmoralischer Grund, ein Kind zu bekommen, sondern auch eine Riesen-Hypothek, die man den neuen Erdenbürgern auflastet. Nicht die Kinder von morgen sind für die Zukunftssicherung verantwortlich, sondern die Politik von heute. Sie hätte angesichts seit Jahren sinkender Geburtenzahlen längst auf andere Modelle setzen müssen.

Die Entscheidung, Kinder zu haben, ist eine Grundsatzentscheidung, die frei von gesellschaftlichem Druck getroffen werden sollte. Eine andere Grundsatzentscheidung, nämlich die, wie sehr man Menschen, die sich entschlossen haben, ein Kind in die Welt zu setzen, unterstützt, obliegt der Gesellschaft.

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