"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Die alte Garde" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 28.08.2003

Wien (OTS) - Nach Hermann Withalm hat gestern auch Josef Hesoun endgültig die Bühne des Lebens verlassen. Von der politischen Bühne waren beide schon lange abgetreten, die "modernen Zeiten" haben sie nicht mehr verstanden und auch nicht verstehen wollen.
Hemmungslos autoritär, aber selten untergriffig; hart in Verhandlungen, aber mit Handschlagqualität bei Abschlüssen; vielfach verständnislos gegenüber Andersdenkenden, aber dennoch kompromissbereit, haben diese Männer eine Politikergeneration verkörpert, der Österreich in der Nachkriegszeit viel zu verdanken hat, die aber heute keine Chancen mehr hätte.
Mit der Brechstange kann man heute nicht mehr Politik machen, und das ist auch gut so. Die Politik ist auch kein Selbstbedienungsladen mehr - Einkommenssprünge wie bei Neo-Staatssekretär Helmut Kukacka, dessen Pensionsanspruch mit dem Tag seines Amtsantritts von gut 5000 auf mehr als 12.000 Euro hochschnellte, wären früher kein Thema gewesen. Jetzt schlägt das Pendel in die Gegenrichtung aus. Unsere Politiker lassen am Gegner kein gutes Haar, verkaufen für ein vermeintlich witziges Wortspiel jedes noch so ernste Anliegen. Damit nähren sie die Politikverdrossenheit und mindern ihren eigenen Stellenwert.
Die alte Garde war alles andere als fehlerfrei, aber man respektierte sie. Was diese Politiker dachten, sagten sie auch, und was sie sagten, daran glaubten sie. Ein Mittelding zwischen den politischen Dinosauriern von gestern und den stromlinienförmigen Selbstdarstellern von heute wäre die Idealvorstellung eines Politikers. Wir werden darauf wohl noch einige Zeit warten müssen, wenn es sie überhaupt jemals geben wird.

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