NÖ Ärztekammer: Aussagen der neuen Hauptverbandschefin sind eine Gefahr für das Gesundheitswesen

Wien (OTS) - Die in einem Interview mit der Zeitung
Wirtschaftsblatt getätigten Aussagen der dritten Geschäftsführerin des Hauptverbandes, Beate Hartinger, wurden heute von Dr. Lothar Fiedler, Präsident der NÖ Ärztekammer, scharf kritisiert. Hartinger hatte gefordert, dass Kassenverträge mit Ärzten nur mehr befristet abgeschlossen werden, die Chefärzte zukünftig Ärzte statt Patienten kontrollieren sollten und die Eingabe von chefarztpflichtigen Verordnungen durch Ärzte statt Patienten bei den Kassen zu erfolgen habe.

Fiedler: "Es ist ja verständlich, dass jemand, der als ehemalige FP - Spitalssprecherin erst seit kurzem mit den Problemen der niedergelassenen Ärzte befasst ist, sich in dieser Materie noch nicht so gut auskennt. Auf diese Unwissenheit führe ich die realitätsfremden Aussagen der neuen Kassenchefin zurück. Ich hielte es jedoch im Sinne einer Partnerschaft mit uns Ärzten für sinnvoller, sich zunächst einmal zu informieren und erst dann an die Öffentlichkeit zu treten. Gerade von einer Politikerin, die Spitzenfunktionärin des Hauptverbandes ist, würde ich mir erwarten, dass fundierte Aussagen unqualifiziertem Populismus vorgezogen werden.

Das hohe Niveau unseres Gesundheitswesens basiert sicherlich nicht auf dem politischen Infragestellen eingespielter Strukturen, sondern zu einem hohen Prozentsatz auf dem medizinischen Fachwissen und der Einsatzbereitschaft der Ärztinnen und Ärzte. Schließlich erfolgt die Behandlung von Patienten immer noch durch Ärzte und nicht durch das Gesundheitssystem.

Was die Chefarztpflicht betrifft, sollten Initiativen vorrangig sein, die in einer administrativen Entlastung und Verbesserung der Situation für die Patienten münden. Die Funktion von Chefärzten ist zweifelsohne notwendig, wenngleich diese KollegInnen meiner Meinung nach in der jetzigen Form nicht optimal eingesetzt sind. Chefärzte als Kontrollorgane von Ärzten lehne ich strikt ab.

Die Behandlung von Patienten erfolgt immer noch durch Ärzte - und nicht durch das Gesundheitssystem.

Hartinger wäre besser beraten sich dem Desaster der e-card zu widmen und die Probleme im eigenen Haus zu lösen, anstatt diese auf jene Partner abzuschieben, die tagtäglich für die medizinische Versorgung hunderttausender Menschen verantwortlich sind." so der Ärztechef abschließend.

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