Landau: Bei Wertediskussion auf soziale Herausforderungen nicht vergessen

Frauen und Alleinerzieherinnen haben größeres Armutsrisiko

Wien (OTS) - "Bei der vom Bundeskanzler nun angeregten Wertediskussion muss auch der soziale Aspekt ins Auge gefasst werden", so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. Dabei, so Landau, sei speziell auf die Situation von Frauen und Alleinerzieherinnen zu achten. "4,4 Prozent der Bevölkerung sind Alleinerziehende - und hier weit mehr Frauen als Männer -, in unseren Beratungsstellen sind es 25 Prozent. Alleinerzieherinnen gehören damit zu den am meisten armutsgefährdeten Gruppen in Österreich", erinnert Landau an Erfahrungen der Caritas aus der täglichen Arbeit. In absoluten Österreich-Zahlen heißt das 300.732 Frauen und 51.140 Männer sind Alleinerziehende.

Wie Landau berichtet, zeige die tagtägliche Erfahrung der Caritas, "in Armut aufzuwachsen stellt ein enormes Entwicklungsrisiko für Kinder dar. Ebenso zeigt sich, dass die vielfältigen Belastungen, mit denen alleinerziehende Mütter zu kämpfen haben, in vielen Fällen zu mitunter schwerwiegenden psychischen Problemen führen. Darunter haben in weiterer Folge wiederum die Kinder zu leiden." Finanzielle Probleme - bedingt durch fehlende Unterhaltsleistungen, bedingt durch die Notwendigkeit, erwerbstätig zu sein, während es gleichzeitig an adäquaten Arbeitsplätzen und leistbaren Kinderbetreuungsplätzen mit flexiblen Öffnungszeiten mangelt -, nehmen dabei, so die Caritaserfahrung, einen prominenten Platz ein. Landau erinnert daran, dass die Zahl derer, die "Ja" zu ihren Kindern gesagt haben und armutsgefährdet sind, "wohl ungleich höher ist als die Zahl der vielzitierten Hausbesitzer in Ibiza oder Lech".

Besser sozialrechtlicher Schutz, Änderungen bei Familienzuschlägen, Karenzgeld und Unterhaltsvorschuss

Die Konsequenzen für die Politik liegen nach Einschätzung des Caritasdirektors auf der Hand. "Was es neben monetären Sozialleistungen braucht, ist ein verbesserter sozialrechtlicher Schutz für Mütter und Väter, die Familienarbeit leisten, sind entsprechende Anreize wie auch Verpflichtungen für Männer, Familienarbeit zu übernehmen, ist eine neue Unternehmenskultur, die z.B. vielleicht auch Kindererziehungszeiten als entsprechende Vordienstzeit wertet, ist ein verbessertes und vergrößertes Angebot qualitativ hochwertiger und nicht zuletzt leistbarer Kinderbetreuungsplätze - auch im Sinne der sozialen Teilhabe von Kindern."

Landau fordert in diesem Zusammenhang auch die Rücknahme der Kürzung der Familienzuschläge zum Arbeitslosengeld und ein Kinderbetreuungsgeld in existenzsichernder Höhe zumindest für sozial schwache Frauen und Männer.

Änderungen beim Unterhaltsvorschuss mehr als angebracht

Der Caritasdirektor erinnert in diesem Zusammenhang aber auch an dringende Änderungen beim Unterhaltsvorschuss. Denn die Auszahlung dieser Mittel ist noch immer an die tatsächliche Einbringbarkeit der Unterhaltsanspüche beim Kindesvater gekoppelt. Landau: "Es braucht Maßnahmen auch für jene Kinder, wo keine realistische Aussicht besteht, dass die aufgewendeten Mittel vom Kindesvater wieder refundiert werden können, also etwa eine Entkoppelung des Unterhaltsvorschusses von der tatsächlichen Einbringbarkeit von Unterhaltsansprüchen." So fordert er u.a. Maßnahmen, dort, wo die Unterhaltsrechte der Mütter verletzt werden, sodass nicht die Frauen auf der Strecke bleiben - und es sind in aller Regel Frauen, um die es geht. Und Landau fordert neue Zugänge, wo die Einforderung des vorrangigen Anspruchs beim Kindesvater durch Unterhaltsklage mit Blick auf die psychische und physische Gesundheit von Mutter und Kindern nicht zumutbar ist. "Das wird speziell dann der Fall sein, wenn Gewalt der ausschlaggebende Trennungsgrund war", erinnert Landau an weitere Erfahrungen aus der Caritasarbeit. Seine Konsequenz: "Wer eine Wertediskussion führen will, darf auf die sozialen Herausforderungen nicht vergessen!"

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Landau plädiert leidenschaftlich "für eine Entradikalisierung der Sprache und eine Entschleunigung der Debatte. Begriffe wie 'Krieg der Generationen' oder die Rede von 'gierigen Alten versus egoistischen Jungen', all das erzeugt Angst. Angst aber ist immer ein schlechter Ratgeber, ob im privaten Leben oder in der Politik. Was Not tut, ist der Mut zur Entschleunigung im Sinne einer wirklich gründlichen, inhaltlichen Diskussion."

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Mag. Barbara Morawetz
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