Happy Birthday, Susi Nicoletti! - Der ORF gratuliert zum 85. Geburtstag

"Jung ist vorbei, aber alt ist auch sehr schön"

Wien (OTS) - Sie war nie ein Kind von Traurigkeit und "wer rastet, der rostet" scheint Susi Nicolettis stets gelebtes Lebensmotto zu sein - auch mit fast 85 Jahren. Am 3. September 2003 feiert die aus München stammende Vollblutschauspielerin und Lebenskomödiantin ihren 85. Geburtstag. Auf die Frage, was sie mit 85 Jahren noch so jung hält, antwortet Nicoletti: "Mich hält keiner jung. Jung ist vorbei. Muss auch nicht sein, alt ist auch sehr schön. Ich fühle mich sehr wohl dabei." Die Doyenne des österreichischen Theaters, die sich über die Leichtfertige, den reizend verruchten Vamp, die Widerspenstige und die Salondame durch alle Glanzrollen ins Charakterfach gespielt hat, begeistert ihr Publikum seit Jahrzehnten mit ungebrochener Vitalität. Stolz kann die Kammerschauspielerin auf 70 Jahre bewegtes Schauspielleben, mehr als 100 Bühnenrollen und ebenso viele Filme, zahlreiche Preise und Auszeichnungen und Generationen erfolgreicher Bühnen- und Filmkünstler, die sie ausgebildet und gefördert hat, zurückblicken.

Der ORF gratuliert der Jubilarin mit einer filmischen Rückschau und bringt unter dem Titel "Susi Nicoletti - Mit Ernst unerst" am Sonntag, dem 7. September, um 10.00 Uhr in ORF 2 ein Künstlerporträt von Michael Bukowsky, das nicht nur die größten Erfolge ihrer turbulenten Schauspielkarriere zeigt, sondern auch einige sehr persönliche Einblicke in das Leben von Susi Nicoletti gewährt. Am Sonntag davor, am 31. August, ist die Nicoletti im Spielfilm "Die Rosel vom Schwarzwald" um 15.10 Uhr in ORF 2 zu sehen. Einen neuen Film mit Susi Nicoletti wird es 2004 im ORF geben: "Ein glücklicher Tag" heißt das ORF/NDR-Melodram, für das die agile Grande Dame eben erst in Linz vor der Kamera stand.

Ö1 lässt bringt am Dienstag, dem 2. September, um 20.31 Uhr das Hörspiel "Das Panorama" von Jürgen Hofmann, am Dienstag, dem 9. September, steht um 20.31 Uhr "Hedda Gabler" nach Henrik Ibsen auf dem Programm. Am Samstag, dem 13. September, um 14.00 Uhr und am Dienstag, dem 16. September, um 20.31 Uhr folgt das Hörspiel "Gefährliche Liebschaften" nach dem Roman von Choderlos de Laclos.

Erste Auftritte mit 13

Susi Nicoletti wurde am 3. September 1918 in München als Tochter der Schauspielerin Consuela Nicoletti und des Reedereidirektors Ernst Habersach geboren. Im zarten Kindesalter hatte sie bereits Tanzunterricht, mit 13 Jahren bestritt sie schon erste öffentliche Tanzauftritte in den Münchner Kammerspielen. Mit 15 erhielt Nicoletti ihren ersten Jahresvertrag als Solotänzerin an der Münchner Opernbühne, einem Tourneetheater. Ihr erstes Engagement an einem Sprechtheater - am Münchner Residenztheater - folgte im selben Jahr. Ab 16 besuchte sie die Schauspielschule von Magda Lina im Maximilianeum der bayerischen Hauptstadt. Nach diversen Engagements an deutschen Bühnen ging Susi Nicoletti 1940 ans Wiener Burgtheater, wo sie große Karriere machte und mehr als 50 Jahre lang spielte. Ab 1939 drehte sie Filme für Kino und Fernsehen und wurde vor allem als Komödiantin populär. Im Laufe ihres schauspielerischen Lebens spielte Nicoletti mit vielen Größen des zeitgenössischen Theaters und Films, so mit O. W. Fischer, Gert Fröbe, Hans Moser, Attila und Paul Hörbiger, Theo Lingen, Curd Jürgens, Josef Meinrad, Will Quadflieg, Heinz Rühmann, Oskar Werner, Paula Wessely, Romy Schneider und Klaus-Maria Brandauer. Im Kino war Susi Nicoletti zuletzt im Frühjahr 2003 in der großen österreichisch-chinesischen Großproduktion "Am Ende der Brücke" zu sehen. Mehr als drei Jahrzehnte lang unterrichtete Susi Nicoletti, die in zweiter Ehe dreißig Jahre lang mit dem Burg- und Josefstadt-Direktor Ernst Haeusserman verheiratet war, am Wiener Reinhardt-Seminar und bildete somit einen großen Teil der aktuellen österreichischen Schauspielerelite aus.

Humor ist die Devise

Zu Susi Nicolettis rund 800 Schülern zählen etwa Senta Berger, Erika Pluhar, Gertraud Jesserer, Gabriel Barylli, Ute Lemper, Ulrich Reinthaller u. v. a. Derzeit ist Nicoletti damit beschäftigt, den Lebenswegen ihrer Schützlinge nachzugehen. "Ich habe gerade angefangen, ein Archiv über sämtliche Schauspielschüler und Musicalschüler, die ich in meinem Leben hatte, anzulegen. Das ist so viel Arbeit, die aber auch sehr viel Freude bereitet. Darunter sind viele junge Leute, mit denen ich noch immer Kontakt habe - Gott sei Dank. Und der bleibt auch, ob man sich viel sieht oder nicht", erzählt Nicoletti, die heute Ehrenmitglied des Wiener Burgtheaters ist. "Es gab so furchtbar viele, die wirklich Talent hatten. Und dann waren doch nicht so viele im Stande, aus ihrem Leben wirklich viel zu machen. Manche ja. Manche machten was anderes nach einiger Zeit, die sind deshalb nicht unbegabt gewesen. Ihnen scheint dann was anderes wichtiger gewesen zu sein", resümiert die Lehrerin. "Es passiert, dass Schüler studieren, dann heiraten und sagen, das ist das einzig Wichtige für sie. Es gibt Menschen, die gewisse Dinge nicht verbinden können. Ich hätte ohne Kinder nicht leben wollen, aber ich habe gewusst, es ist nicht das Einzige", so Nicoletti. Ihr Geheimrezept, mit dem sie Karriere, Privatleben und Familie erfolgreich vereinbaren konnte, fasst die vielfältige Künstlerin und zweifache Urgroßmutter mit einem Wort zusammen: Humor. Auf die Frage, woher sie ihren denn bezieht, antwortet Nicoletti: "Damit wird man geboren, so wächst man auf. Ich bin in einer humorvollen Familie groß geworden, mein Vater war voller Humor, wir haben so viel gelacht."

"Wenn man diesen Beruf nicht gern macht, soll man sich einen anderen suchen"

Auf ihre lange und erfolgreiche Karriere zurückblickend zieht Susi Nicoletti folgende Bilanz: "Es gibt nicht wirklich so viele wahnsinnig erstklassige gute Regisseure, die man kennen lernt. Aber ich habe ein paar davon getroffen, da gewinnt man so viel. Oder auch überhaupt nur, wenn man neue Menschen kennen lernt. Und man trifft ja sehr viele Menschen in diesem komischen Beruf. Das ist ungeheuer positiv, denn es gibt auch dazwischen Leute, die man gar nicht mag, und trotzdem kann man mit ihnen Theater spielen. So lange es professionell ist, ist alles in Ordnung. Eine noch größere Freude hat man, wenn ein wirklich vernünftiger, schöner Kontakt mit Humor, mit Können dazukommt, das ist einfach schön. Und ich habe besonders nette Kollegen in meinem Leben gehabt. Aber es ist ein gar nicht einfacher, eher ziemlich schwieriger Beruf, in dem man nicht erwarten kann, dass alles vom Himmel fällt. Und wenn man diesen Beruf nicht gern macht, soll man sich einen anderen suchen", meint Nicoletti.

Dem Schauspielnachwuchs des Landes stellt die in Wien lebende Aktrice ein gutes Zeugnis aus: "Es kommen immer wieder junge gute Menschen nach, die wirklich etwas wollen, etwas empfinden, sich etwas aufbauen wollen. Und das finde ich wichtig, das freut mich. Die treffe ich auch immer wieder, und das ist schön."

"Sehr viel Glück gehabt"

Eine Lieblingsrolle hat die bald 85-jährige Jubilarin nicht vorzuweisen, einen Part, den sie noch gerne spielen möchte, kann sie nicht nennen: "Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich bin durch diesen Beruf so viel in der Welt herumgekommen, was ich sehr, sehr genossen habe. Und ich habe sehr viel von dieser Welt gesehen. Es hat mir nicht alles gefallen im Leben, das zu sagen wäre lächerlich. Aber ich habe so viel sehen können, beobachten können - und das hat mir immer gut getan", erzählt Nicoletti.

Einen Punkt in ihrem Leben, an dem sie die Schauspielerei gerne hingeschmissen hätte, gab es für die Vollblutmimin nie: "Ich hätte auch gar keine Gelegenheit gehabt. Ich war immer im festen Engagement, habe eine gute Sache nach der anderen gespielt. Ich habe sehr viel Glück gehabt und weiß, dass es Glück war. Das muss man ja auch wissen", betont Nicoletti.

Geheime Zukunftspläne

Und das Spielen hat kein Ende: Gerade erst stand Susi Nicoletti für die ORF/NDR-Koproduktion "Ein glücklicher Tag" in Linz vor der Kamera. Als reiche Erbtante, die um das Wohl ihrer Nichte, dargestellt von Eva Herzig, besorgt ist, drehte sie drei Tage lang unter der Regie von Paul Hengge. Die bewegende Liebesgeschichte einer Österreicherin (Herzig) und eines Ostdeutschen (Sylvester Groth), die vor und nach dem Berliner Mauerfall spielt, wird 2004 im ORF zu sehen sein. Ob sie bereits weitere Projekte plane? "Nicht ich plane, sondern die anderen planen. Jetzt müssen wir schauen, ob was zu Stande kommt. Aber bevor ich keine Verträge in der Hand habe", so Nicoletti, "rede ich auch nicht darüber."

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