"Kleine Zeitung" Kommentar: "Pfusch beim Voest-Verkauf oder Wie man Millionen liegen lässt" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 28.8.2003

Graz (OTS) - Der Verkauf der Staatsanteile an der Voestalpine
steht unter keinem guten Stern. Die Bundesregierung hat ursprünglich den Zeitrahmen innerhalb der laufenden Legislatuperiode festgesetzt. Jetzt muss es plötzlich im September sein und es muss schnell über die Börse gehen. Zeit ist in diesem Fall nicht Geld, sie kostet Geld.

Sind das vielleicht andere Anzeichen des morbiden Gerüsts dieser Regierung? So nach dem Motto: Lieber jetzt nach dem Geld greifen, bevor möglicherweise eine andere Regierung die Privatisierungspläne über den Haufen wirft.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Finanzminister Karl-Heinz Grasser wandern auf einem schmalen Grat. Wie ist es möglich, die Voest zu verkaufen und dennoch den Bestand des Konzerns zu sichern? Eigentlich gar nicht, muss die Antwort lauten, denn sobald sich der Staat als bestimmender Aktionär zurückzieht, sind allen Spekulanten Tür und Tor geöffnet. Es ist das Recht eines jeden Aktionärs, mit seinen Anteilen nach Gutdünken zu verfahren, Mehrheiten zu bilden, um Ziele zu erreichen. Auch wenn das für die Voest irgendwann einmal heißen kann, dass ein Eigentümer auftritt, der niemandem genehm ist.

Das Recht, seine Anteile zu veräußern, darf man dem Staat nicht absprechen. Wenn er sich jedoch dazu entschließt, müsste wohl der kaufmännische Grundsatz gelten, möglichst viel Gewinn aus dem Handel zu schlagen. Dass die Regierung nach dieser Maxime handelt, muss am Beispiel Voest bezweifelt werden. So gab es die geheimen Verkaufsgespräche mit Frank Stronachs Magna, die nur durch eine Indiskretion öffentlich geworden sind. Stronach ist bekannt dafür, siehe den Steyr-Konzern, nicht gerade den Höchstpreis zu zahlen.

Auch der "Paketverkauf" über eine internationale Ausschreibung wurde außer Acht gelassen. Damit könnten Interessenten um größere Aktienpakete rittern, für den Verkäufer schaut unter dem Strich wegen des üblichen Zuschlags zum Grundpreis ein größerer Erlös heraus.

Die sauberste Lösung ist für viele Experten der Aktienverkauf über die Börse. Üblicherweise regeln an der Börse Angebot und Nachfrage den Preis. Gegenwärtig ist mit Aktien nicht das große Geschäft zu machen. Der Verkauf über die Börse, haben Fachleute errechnet, bringt rund 300 Millionen Euro weniger Erlös ein als der "Paketverkauf". Nach alter Rechnung werden 4,1 Milliarden Schilling verschleudert. Es beweist sich eine andere Kaufmannsregel: Zeitdruck ist nur aus Sicht des Käufers gut für den Preis. ****

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