"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Frage an ÖBB-Bosse (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 28.08.2003

Klagenfurt (OTS) - Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, heißt es in der Bibel (Gen. 3,19). Alfred Gusenbauer, dessen Sympathie für gutes, von einem gepflegten Roten begleitetes Essen der Bevölkerung ja nicht verborgen bleibt, schwitzte Dienstag Abend kräftig. Doch nicht etwa, weil ihn - im Rahmen der ORF-"Sommergespräche" - TV-Chefredakteur Werner Mück in die Enge zu treiben vermochte. Arge Hitze war es, die Bächlein aus Stirn und Wangen des SP-Chefs treten ließ. Politik - ein mitunter schweißtreibendes, häufig hartes Brot...

Vom Transpirationseffekt und der Tatsache abgesehen, dass dem Duo seltene Wörter wie "paternalistisch" (Mück) und "disponibel" (Gusenbauer) über die Lippen gerieten, ist die Diskussion als gelungen zu betrachten: Der Journalist stellte kritisch-kluge Fragen und der Befragte antwortete überzeugend, listete plausibel auf, was seiner Ansicht nach die SP von der VP, aber auch der FP trenne. 490.000 Zuseher verfolgten das im Anschluss an die beste Sendezeit ausgestrahlte Gespräch. Beweis dafür, dass Produzenten korrekt gestalteter Formate keinen Quotenabfall zu fürchten haben.

Zwei Themen standen unverrückbar auf der Agenda: Das aktuelle Rot-Blau-Verhältnis und die "Eisenbahnerfrage". Punkt eins betreffend, bekräftigte Gusenbauer seine Absicht, "den Dialog mit allen" zu führen, auf Sachebene zusammenzuarbeiten. Ebenso deutlich formulierte er Missfallen an inhaltlichen Positionen der Freiheitlichen, diversen Auffälligkeiten Jörg Haiders. Auf die ÖBB zu sprechen kommend, erwies sich der TV-Gast als "Eisenbahneranwalt".

Was kann denn auch der "Normal"-Eisenbahner dafür, dass er seinerzeit einen Vertrag erhalten hat, der heute Gegenstand abwertender, spöttischer (neidvoller?) Betrachtungen ist? Soll sich der "Mann von der Schiene" jetzt die Pulsadern aufschneiden, soll ein Großteil der ÖBBler auswandern - oder was?!

Gegen "Bahnprivilegien" gerichteter Unmut entlädt sich an den Falschen, den Nachgereihten. Der ÖBB-Personalstand (knapp 48.000) wird um 12.000 Bedienstete gesenkt - trotz des Umstands wegen, dass im ersten Halbjahr 2003 nicht weniger als 1,9 Millionen (!) Überstunden angefallen sind. Ein Widerspruch par excellence! Und Grund zur Frage, was von hoch bezahlten ÖBB-Managern zu halten ist, die derlei Missverhältnisse zugelassen haben.

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