Gründerboom trotz Konjunkturflaute

Leitl: Im 1. Halbjahr 2003 wurden 14.752 Unternehmen (+14,5 %) neu gegründet - KSV Nejedlik: Langfristige Unterstützung der Gründungen notwendig - JW Lehner fordert "Masterplan" für Unternehmerland Österreich

Wien (PWK 553) - Ermutigende Signale in einer wirtschaftlichen schwierigen Zeit verkündete heute, Mittwoch, der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes Österreich von 1870 (KSV), Johannes Nejedlik, und dem Bundesvorsitzenden der Jungen Wirtschaft, Peter Lehner, präsentierte Leitl die Gründerstatistik des ersten Halbjahres: "14.752 Betriebe und damit um 14,5 % oder 1.800 Unternehmen mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres erblickten das Licht der Welt. Damit werden rund 30.000 Arbeitsplätze in unserem Land geschaffen."

Während in Deutschland die Gründungen sinken und die Pleiten steigen, stelle sich die Situation in Österreich umgekehrt positiv da:
"deutlich mehr Unternehmens-Geburten und weniger Sterbefälle", freute sich Leitl. Den größten Anteil von Neugründungen weist der Handel mit rund einem Drittel auf, gefolgt vom Gewerbe und Handwerk und dem Bereich Information und Consulting mit je einem Viertel. Gut ein Zehntel wurden im Tourismus gegründet. Unter den Berufsgruppen rangieren Unternehmensberatung und IT auf Platz eins und zwei, auf die dritte Stelle rückte heuer der Direktvertrieb auf. Über 80 % der neuen Unternehmen wurden als Einzelfirmen gegründet.

Um diesen Trend zu unterstützen und die Wirtschaft besonders in einer Konjunkturdelle anzukurbeln forderte Leitl die Rahmenbedingungen zu verbessern:
1. durch eine 25-prozentige KöSt auf nicht entnommene Gewinne für kleine Kapitalgesellschaften und einen Entfall der Mindestkörperschaftsteuer.
2. durch einen "Gründersteuerbonus", sprich: die Einführung eines jährlichen 1.000-Euro-Absetzbetrages für die ersten 3 Jahre nach der Gründung.
3. die Anwendung des Neugründungförderungsgesetz (NeuFÖG) auch auf Betriebsübergaben.
4. Die Einführung eines zeitlich unbeschränkten Verlustvortrages auch für Einnahmen-Ausgaben-Rechner. Ihnen sollte eine Investitionsprämie für die Anschaffung von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens gewährt werden.
5. regte Leitl an, bei Betriebsneugründungen die Bestandsvertragsgebühr bei der Anmietung von Betriebsräumlichkeiten künftig nicht mehr entrichten zu müssen.

Die Wirtschaftskammer leistet durch die Junge Wirtschaft und das Gründerservice "als Netzwerk für Gründer und Jungunternehmer mit entscheidender strategischer Bedeutung" einen wichtigen Beitrag, der auf große Zufriedenheit stößt: "86 % der Kunden fühlen sich gut oder sehr gut beraten", berichtete der WKÖ-Präsident. Aktuell wird allen neuen Unternehmerinnen und Unternehmern gerade ein informatives "welcome-package" der Jungen Wirtschaft zugestellt.

Als wesentlich für eine erfolgreiche Gründer- und Unternehmensstory in Österreich wies Leitl auf die Zusammenarbeit von WKÖ und KSV hin, "die schon seit langem sehr konstruktiv und innovativ funktioniert." Den Aussagen von Präsident Leitl schloss sich Johannes Nejedlik vom KSV insbesondere auch hinsichtlich steuerlicher Erleichterungen für Jungunternehmer und Neugründer voll und ganz an. Einigkeit herrsche auch darüber, dass das Land mehr Unternehmer brauche, so Nejedlik weiter. "Allerdings ist dies nur durch gemeinsame Anstrengungen seitens der Politik, der wirtschaftlichen Interessenvertretungen und bereits am Markt etablierter Unternehmen zu erreichen".

Gute Gründungszahlen seien dabei aber nur ein erster Schritt. "Die Gründung kann nicht das alleinige Ziel sein", betont der KSV-Geschäftsführer, "ich verstehe sie vielmehr als Startschuss zu einem Marathonlauf". Aufgabe des KSV müsse es dann sein, zur Streckensicherung beizutragen, den Bau von Versorgungsstationen zu sichern sowie die Gründer weiter zu motivieren. Seitens der Versorgungsmaßnahmen kann der KSV mit zwei wesentlichen Statistiken aufwarten. Zum einen mit den Insolvenzstatistiken, zum anderen mit Statistiken betreffend die Unternehmensentwicklung an sich. "Daraus geht klar hervor, dass die Wahrscheinlichkeit in den ersten acht Jahren zahlungsunfähig zu werden am höchsten ist", bestätigt Nejedlik. Von Jänner bis Juni 2003 wurden insgesamt 2.652 Insolvenzen registriert. Leicht zurück gingen auch die Eintragungen ins Firmenbuch.

Das Stichwort könne daher nur Gründercoaching über den Start hinaus lauten. Der KSV bietet als Stütze Jungunternehmern bereits eine dreijährige Gratismitgliedschaft an, wo die Leistungen und das Service des KSV dem Unternehmer frei zur Verfügung stehen. Unverzichtbar sei aber auch die Hilfe existierender und etablierter Betriebe am Markt. Konkret schlägt Nejedlik eine Imagekampagne für das Unternehmertum vor. "Damit soll unterstrichen werden, welch großen wirtschaftlichen Beitrag die Betriebe für unser Land leisten."

Die Notwendigkeit einer Imagekampagne betonte auch Peter Lehner, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Österreich. Diese werde bei der JW-Bundestagung in Graz vehement bei Regierungsmitgliedern eingefordert werden. Anlässlich der aktuell geführten Diskussion über die "Jugend von heute" wies Lehner darauf hin, dass die erfreulichen Gründerzahlen zeigten, "dass die Jungunternehmer nicht Party machen, sondern innovative Ideen haben und bereit sind Risiko zu tragen. Der Gründergeist ist da, die Konjunktur krankt hingegen noch." Deshalb fordert die Junge Wirtschaft Investitionen in die Zukunft, in Wachstum, und daher in einen "langfristigen Masterplan für das Unternehmerland Österreich". Lehner: "Es kann nicht sein, dass Österreich bei der Selbständigenquote im EU-Vergleich noch länger an 13. Stelle liegt, wir müssen alles daran setzen schon bald einen "Stockerplatz" zu erreichen. Lehner präsentierte ein 10-Punkte-Forderungsprogramm der Jungen Wirtschaft und machte auf die Brisanz bei der Unternehmensnachfolge aufmerksam: "57.000 Betriebsübergaben stehen in den nächsten Jahren an, wenn 27 % davon schiefgehen, sind 100.000 Jobs gefährdet." (Ne)

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