"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Che Gurgiser" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 27. August 2003

Innsbruck (OTS) - Wie eine Kriegserklärung liest sich der Befund von Fritz Gurgiser zur Transitlage Tirols. "Michael Gaismayr wurde erstochen, Andreas Hofer erschossen. Sollen Tausende Frauen, Männer, Kinder entlang alpiner Straßentransitrouten schleichend vergiftet werden?"
Gestern kündigte der Boss des Transitforums als Draufgabe noch eine neue Strategie an: Künftig will er weniger auf Autobahnblockaden und dafür auf eine Partisanen-Strategie setzen.
Fritz Gurgiser hat sich um das Thema Transit viele Verdienste erworben. Durch seinen unermüdlichen Einsatz hat er Politiker in Tirol, Wien und Brüssel aufgerüttelt. Ohne Gurgiser würden heute sicher noch mehr Lkw durch Tirol donnern. Doch so wichtig Gurgisers Rolle für die Antitransitbewegung im Land auch war, allmählich scheint er unter Realitätsverlust zu leiden. Im Stile eines Freiheitskämpfers spielt sich Gurgiser auf, als wäre das Land Tirol ohne seinen heroischen Einsatz zum Sterben verdammt.
In Sachen Populismus ist Gurgiser nicht mehr zu schlagen. Haider, Dinkhauser und van Staa sind dagegen Waisenknaben. Wenn Gurgiser so weitermacht, wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis es in Anlehnung an den bolivianischen Revolutionär Che Guevara T-Shirts mit Che Gurgiser gibt.
Wer so vollmundig auftritt, sollte sich nicht länger davor drücken, vor den Wähler zu treten. Wenn die Politik so unfähig ist, wie Gurgiser sie darstellt, sollte er beweisen, dass er es besser macht. In Relation zur Bedrohung, die laut Gurgiser vom Transit für Tirol ausgeht, waren die Teilnehmerzahlen bei den Autobahnblockaden ein Flop. Bis heute weigert sich Gurgiser beharrlich bekanntzugeben, wie viele Tiroler beim Transitforum Mitglied sind. Warum eigentlich? Eine Liste Gurgiser wäre gerade bei den kommenden Landtagswahlen spannend gewesen. Dann wüssten wir endlich, wie dramatisch die Tiroler das Transitproblem wirklich einstufen.

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