Bittner: Gesundheitswesen braucht echte Reform statt Mogelpackung

Alpbach: Für mehr Transparenz, gegen Privatisierung des Krankheitsrisikos

Wien (OTS) - "Mit der Fokussierung der Gesundheitsreformdiskussion auf das Thema Selbstbehalte lenkt die Wirtschaftskammer von echten Reformen ab. Eine Gesundheitsreform die unter dem wohlklingenden Übertitel 'Eigenverantwortung' lediglich die Verschiebung des finanziellen Risikos einer Erkrankung von der Wirtschaft hin zum Einzelnen Patienten verlagert ist eine Mogelpackung" stellte der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse Franz Bittner anlässlich der Alpbacher Reformgespräche fest.

"Die unbedingt notwendige Erhöhung der Transparenz des Gesundheitswesens für den Einzelnen und die Stärkung der Position der Versicherten und Patienten gegenüber dem 'medizinisch-industriellen Komplex' kann auch ohne zusätzliche Selbstbehalte und der damit verbundenen stärkeren Privatisierung des Krankheitsrisikos umgesetzt werden" so Bittner weiter.

Gesundheit oder Krankheit sind nicht nur von individuellen Einflußfaktoren geprägt sondern auch vom gesellschaftlichen und sozialen Umfeld. Unsere Lebenssituation ist daher nur begrenzt durch persönliche Entscheidungen des Einzelnen bestimmt oder veränderbar. Das Krankheitsrisiko, aber vor allem auch das finanzielle Risiko in Folge einer Erkrankung kann daher nicht primär der Eigenverantwortung anheimgestellt werden. Die von der Wirtschaftskammer betonte stärkere Eigenverantwortung des Einzelnen darf nicht zu einer "Privatisierung und Individualisierung" des Krankheitsrisikos führen. "Denkt man den Ansatz der WKÖ zu ende, müsste man sagen: 'Wer Krank wird ist selber schuld und hat seine Eigenverantwortung nicht wahrgenommen'. Das hübsche Gerede von der 'Eigenverantwortung' kann leicht als Zynismus entlarvt werden" sagte Bittner.

Mit Selbstbehalten kann das Gesundheitswesen weder finanziell saniert noch strukturell reformiert werden, was nicht nur internationale Studien belegen sondern auch die Kennzahlen der Gesundheitssysteme mit besonders ausgebauter Privatfinanzierung sehr klar deutlich machen. "Statt der Erfindung zusätzlicher Selbstbehalte, sollte das bestehende Selbstbehaltesystem aufwandsneutral umgestaltet und sozial gerechter gemacht werden" forderte Bittner.

"Ich habe Verständnis dafür, dass die Wirtschaftskammer die Interessen ihrer Mitglieder - im Gesundheitsbereich etwa die Anbieterinteressen der Pharmabranche oder der Privatspitäler -vertritt. Weniger Verständnis habe ich jedoch dafür, dass die genannten WKÖ-Mitglieder keinen Beitrag zur Gesundheitsreform leisten sollen, dafür aber die Patienten verstärkt zur Kasse gebeten werden sollten" schloss Bittner.

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