Das europäische Sozialmodell braucht mehr Beitragszahler

Expertenforum Arbeitsmarkt: Dauer der Arbeitslosigkeit senken, Bedarfsgerechte Qualifizierung Arbeitsloser, Weiterbildung Beschäftigter

Wien (PWK543) - Im Expertenforum Arbeitsmarkt, das vom Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservice Österreich, Herbert Böhm, geleitet wurde, formulierten Vertreter von österreichischen Klein-und Mittelbetrieben am Dienstag Nachmittag in Alpbach, welche Anforderungen produktive und erfolgreiche Mitarbeiter heute erfüllen müssen und wie das AMS die Betriebe bei der Deckung ihres Arbeitskräftebedarfes unterstützen kann.

Bei der Erfüllung der Lissabon Ziele zur Wiederreichung der Vollbeschäftigung bis zum Jahr 2010 hat Österreich die Zielvorgabe einer Frauenbeschäftigungsquote von 60% mit 61,1 % bereits im Jahr 2002 erreicht. Auch zur Erfüllung der Gesamtbeschäftigungsquote von 70% bis 2010 ist Österreich mit derzeit 68,2% gut unterwegs. Lediglich beim Ziel einer 50-prozentigen Beschäftigungsquote bei Arbeitnehmern über 50 Jahren liegt Österreich mit 28,1% im Jahr 2002 deutlich unter der Zielvorgabe. Einig war das Podium darüber, dass Anreize für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer geschaffen werden müssen. "Es kann nicht sein, dass einer 50-jährigen Verkäuferin aufgrund des Kollektivvertrages für dieselbe Tätigkeit wesentlich mehr bezahlt werden muss, als einer 18-jährigen Verkäuferin. Um im Wettbewerb bestehen zu können, kann ich gar nicht nur ältere ArbeitnehmerInnen beschäftigen, sondern ich brauche eine ausgewogene Mischung", so Ernst Aichinger, Inhaber eines Sportartikelgeschäftes. Eine Abflachung der Lohnkurven in Kollektivverträgen wurde als wesentliche Voraussetzung genannt, um die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu erhöhen. Auch die weitere Senkung der Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmer wird deren Beschäftigung erhöhen.

Flexiblere Arbeitszeitmodelle zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf nannte Frau Rabmer-Koller, Geschäftsführerin eines oberösterreichischen Bauunternehmens, als wichtige Aufgabe für Betriebe zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In ihrem eigenen Betrieb, der diesbezüglich als Best Practice Modell zu nennen ist, hat sie gezeigt, "dass alles möglich ist, sofern man es zulässt. " Von den Gemeinden wünscht sich Rabmer-Koller, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, flexiblere Öffnungszeiten für Kinderbetreuungseinrichtungen, da es Klein- und Mittelbetrieben nicht möglich ist, im eigenen Betrieb Betriebskindergärten einzurichten.

Die Beiträge des Arbeitsmarktservice zur positiven Beschäftigungsentwicklung präsentierte der Landesgeschäftsführer des AMS Oberösterreich, Roman Obrsovski. Das AMS kann zwar keine Jobs schaffen, "aber wir sorgen dafür, dass die Arbeitssuche nicht einen Tag länger dauert, als der Markt es erzwingt." Der Qualifizierung von Arbeitslosen durch das AMS kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Eine treffsichere und nachfragegerechte Ausbildung von Arbeitslosen ist die zentrale Herausforderung für die Qualifizierungsaktivitäten des AMS. Dazu sollte der persönliche Kontakt zwischen AMS-Mitarbeitern und Unternehmern ausgebaut werden, um den tatsächlichen Bedarf der Wirtschaft zu erheben.

Eine verstärkte Kooperation des AMS mit privaten Personaldienstleistern wünscht Gerhard Flenreiss, Geschäftsführer von MANPOWER. Private Arbeitsvermittler verfügen über ein Potenzial an offenen Stellen, die dem AMS nicht gemeldet werden. "Um diese offenen Stellen zur Zufriedenheit unserer Kunden und zum Nutzen der arbeitsuchenden Menschen besetzen zu können, benötigen wir den Zugriff auf die Daten des AMS. Wir wollen die Dienstleistungen des AMS ergänzen und mithelfen, Arbeitslosigkeit so kurz wie möglich zu halten." (RH)

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