ÖAMTC: Manipulieren von Kilometerständen ist kein Kavaliersdelikt

Vorsicht bei Gebrauchtwagen-Kauf von Privat an Privat

Wien (ÖAMTC-Presse) - "Kosmetik" der besonderen Art wird oft betrieben, wenn ein Gebrauchter den Besitzer wechselt. Nämlich dann, wenn der Kilometerstand manipuliert wird. "Beim Kauf von Privat an Privat wird häufig durch weniger Kilometer besserer Zustand vorgegaukelt", warnt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer, "das kann schwere Folgen haben: Wer ein Auto verkauft, ohne den Käufer auf den manipulierten Kilometerstand hinzuweisen, muss damit rechnen, dass er belangt wird."

Eine Kilometerstands-Manipulation ist gerichtlich strafbar, wenn dem Kunden mit einem zurückgedrehten Kilometerstand der Kauf eines bestimmten Fahrzeuges schmackhaft gemacht worden ist. "Kann dem Verkäufer Täuschungs- und Bereicherungsvorsatz nachgewiesen werden, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen. Wer solche Kilometerzähler-Manipulationen gar gewerbsmäßig, also wiederholt und mit Gewinnabsicht, betreibt, muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen", mahnt der Jurist.

Einem Gewerbebetrieb, der etwa mit dem "Justieren von Tachometern" wirbt, kann Beihilfe zum Betrug vorgeworfen werden, wenn er ein Fahrzeug "schönt", wissend, dass es demnächst zum Verkauf ansteht.

Doch auch wenn der Nachweis eines Betrugsvorsatzes nicht erbracht werden kann, ist der Käufer nicht machtlos: Er könnte den Vertrag innerhalb von drei Jahren durch Klage bei Gericht wegen Irrtums anfechten oder auf Vertragsanpassung - niedrigerer Preis - klagen. Vorausgesetzt wird, dass der Irrtum durch den Verkäufer veranlasst wurde und - wie auch beim Vorwurf des Betruges - der Kilometerstand eine wesentliche Voraussetzung für das Zustandekommen des Rechtsgeschäftes war. Das Prozessrisiko trägt hier der klagende Fahrzeugkäufer.

"Man sollte es aber erst gar nicht so weit kommen lassen", rät der ÖAMTC-Jurist. "Wer sich auf dem Kaufvertrag den Kilometerstand garantieren lässt, nimmt den Verkäufer streng in die Pflicht und wird schon auf diese Art die Spreu vom Weizen trennen können."

Wie man Manipulationen am Kilometerzähler des Tachos erkennt

"Die Möglichkeiten beim Kauf eines gebrauchten Wagens manipulierte Kilometerstände nachzuweisen, sind leider eingeschränkt", sagt Steffan Kerbl, Techniker des ÖAMTC. "Oft wurde auch nur der Tacho getauscht und das Altteil entsorgt."

Vorsichtshalber vergleicht man deshalb den Kilometerstand noch vor dem Kauf mit dem Begutachtungsblatt der letzten Pickerl-Überprüfung. Wenn mehr oder sogar alle Begutachtungsblätter vorgelegt werden können und die Kilometerangaben plausibel erscheinen, liegt ziemlich sicher keine Manipulation vor. Ist die Kilometerangabe verwischt oder unglaubwürdig, kann man die Kopie noch mit dem Original der ausführenden Werkstätte vergleichen. Kerbl: "Bei Abweichungen - Hände weg." Auch ein Blick ins Serviceheft kann aufschlussreich sein. Reißen die Eintragungen ab, so kann das - muss aber nicht unbedingt -ein Indiz für eine Manipulation sein.

"Ab und zu erkennt man Fälschungen auch an typischen Gebrauchsspuren oder abgenutzten Teile an einem Wagen, der erst wenige tausend Kilometer gefahren sein soll", sagt ÖAMTC-Techniker Kerbl. Ein alter Prüfbericht, die Daten der Vorbesitzer oder ein Ölwechsel-Aufkleber mit Kilometerstandsangabe haben auch schon so manchen Schwindel auffliegen lassen.

ÖAMTC-Tipp: Klarheit beim Gebrauchtwagen-Kauf bringt eine Kaufüberprüfung an einem der Stützpunkte des Clubs. Dort wird das Auto auf Herz und Nieren gecheckt. Für den Nutzungswert eines Fahrzeuges ist übrigens der tatsächliche Zustand und nicht nur der Kilometerstand ausschlaggebend. "Ein Auto, das nur im Überlandverkehr auf langen Strecken schonend gefahren wurde, wird sicher in einem besseren Zustand sein als eines, das im Stadtverkehr geschunden und auf vereinzelten Autobahnfahrten durchgetreten wurde", meint Kerbl abschließend.

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ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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