EU: Gemeinsame Anstrengungen und Strategien nötig, um das Sozialsystem fortzuentwickeln

Europas Wirtschaftsverbände fordern Wachstumsinitiativen und eine Entlastung der Betriebe zur ökonomischen Sicherung des EU-Sozialmodells

Wien (PWK540) - Der Präsident der europäischen Wirtschaftskammern Eurochambres, Christoph Leitl, des europäischen Handelsverbandes EuroCommerce, Peter Bernert, und der europäischen Klein- und Mittelbetriebe, UEAPME, Paul Reckinger, präsentierten am Dienstag Abend im Rahmen der Alpbacher Reformgespräche ihre Anforderungen an die Entwicklung des Europäischen Sozialen Modells.

Eurochambres-Präsident Leitl betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen und verbindlichen europäischen Strategie, um die in Lissabon formulierten Ziele nicht am Papier verkümmern zu lassen. "Man muss auch den heute 15-Jährigen noch eine Perspektive für die Zeit geben können, in der sie selbst in Pension gehen wollen." Gerade das Beispiel Schweden zeige, dass das rechtzeitige Schnüren des richtigen Maßnahmenbündels im Konsens mit den Betroffenen eine Weiterentwicklung des Sozialmodells ohne Brüche erlaube."

Neben dem "Wachstumsprogramm Osterweiterung" sind aber nachhaltige europäische Anstrengungen nötig, um die Wirtschaft zu mehr Wachstum zu stimulieren und damit auch die europäischen sozialen Netze zu sichern. Besonders hob Leitl notwendige Investitionen in Bildung, Innovation und Forschung hervor: Nur eine entsprechend qualifizierte und innovative europäische Wirtschaft werde sich im globalen Wettbewerb durchsetzen können. Europa benötige allerdings auch eine aktive Arbeitsmarktpolitik und eine Familien- und Sozialpolitik, die es allen Männern und Frauen gleichberechtigt ermöglicht, am Erwerbsprozess teilzuhaben.

UEAPME-Präsident Reckinger stellte ein Motto seinem Statement voran:
"Think Small First". Und dass hier Europa im Sozialen Dialog wie in der notwendigen Anpassung der Sozialgesetzgebung Nachholbedarf habe, erläuterte er so: " Es kann nicht sein, dass beim tripartiden Sozialgipfel im Frühjahr die Europäische Gewerkschaft 27 Minuten Redezeit hat, die Industrie 24 und die KMU nur 3, während der griechische Ratsvorsitzende und die zuständige Kommissarin sich je 45 Minuten reservieren." Und auch im Sozialbereich fehle eine entsprechende Entlastung der Klein- und Mittelbetriebe, um ihr Wachstumspotential zu entfesseln: Europa brauche weniger Steuern (auf Arbeit, weniger Lohnnebenkosten), weniger Bürokratie und einen reduzierten öffentlichen Sektor für mehr Wachstum.

EuroCommerce-Präsident Bernert bekannte sich zur sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung des europäischen Handels. Allerdings müsse - so erhaltenswert das europäische Soziale Modell auch sei -der Beitrag der Unternehmen auch erwirtschaftet werden können. Er erläuterte, dass es in Europa eine lange und ungebrochene Tradition der Unternehmer gäbe, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Dieses Verhalten sei den Unternehmern allerdings oft auch nicht bewusst. Es brauche sicher Maßnahmen, um diese Verantwortlichkeit, die freiwillig weit über gesetzliche Standards hinaus geht, sichtbar zu machen. Davon würden nicht nur der Unternehmer, sondern auch sein Umfeld profitieren. "Aber wir wehren uns deutlich gegen neue Berichtspflichten, die auch den Kleinbetrieben aufgezwungen werden sollen. Wir wollen Geld in Handlungen, nicht in Papier investieren." (RH)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Presseabteilung
Mag. Rupert Haberson
Tel.: (++43-1) 50105-4362
Fax: (++43-1) 50105-263
presse@wko.at
http://www.wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003