Dringender Reformbedarf in Österreichs Gesundheitssystem

Alpbach: Versorgungsauftrag, Steuerung, Transparenz der Leistungserbringung sowie mehr Selbstverantwortung des Einzelnen im Mittelpunkt der Debatte

Wien (PWK539) - Im Expertenforum "Gesundheit" standen am Dienstag Nachmittag bei den Alpbacher Reformgesprächen die Effizienzpotentiale im österreichischen Gesundheitswesen und die Frage nach mehr Eigenverantwortung des Einzelnen im Mittelpunkt der Diskussion. Josef Kandlhofer, Sprecher der Geschäftsführung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger: "Auch wenn das österreichische System im internationalen Vergleich gut abschneidet, gibt es dringenden Reformbedarf. Defizite liegen vor allem im Bereich der Definition des Versorgungsauftrages, der Verantwortung für die Steuerung des Systems, der Transparenz und Effizienz der Leistungserbringung und der Qualität der Leistungen". Er sprach sich für eine Senkung der Handelsspannen der Apotheken sowie des Medikamentengroßhandels auf ein europäisches Niveau und den vermehrten Einsatz von Generika aus.

Harald Kaszanits, Gesundheitsexperte der Wirtschaftskammer Österreich, forderte mehr Selbstverantwortung des Einzelnen im Gesundheitssystem: "Durch das bestehende intransparente System werden die Versicherten zur Unmündigkeit erzogen. Zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen wird es nötig sein, den Einzelnen zum Mitdenken, zum Mitgestalten anzuregen, sodass ein Paradigmenwechsel von der passiven zur aktiven Gesundheit erfolgen kann. Zur Stärkung der Eigenverantwortung braucht es ein Gesamtkonzept für ein vernünftiges System von Kostenbeteiligungen, das Kontroll-, Steuerungs- und Finanzierungsfunktion übernimmt und gerecht sowie sozial verträglich gestaltet wird." Kaszanits sprach sich auch für die Errichtung von regionalen Gesundheitsfonds aus: "Wir wollen eine effizientere und kostengünstigere Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren im Gesundheitssystem. Dabei muss der Satz gelten: Soviel zentral wie nötig, soviel regional wie möglich."

Mehrheitliche Zustimmung unter den Experten gab es für bundeseinheitliche Qualitätsstandards, für eine Leistungs- und Qualitätskontrolle durch den Bund sowie eine bundeseinheitliche Evaluierung. (RH)

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