"Die Presse" Glosse: "Ein Schauspieler aus Österreich" (von Andreas Unterberger)

Ausgabe: 8.8.2003

Wien (OTS) - Kommt heute irgendwo in der Welt eine Glosse zum
Thema Kalifornien ohne Zitate aus Filmen aus? Und in Österreich ohne Chauvinismus oder Scherzchen über Steirer-Men und Eichen? Versuchen wir es zumindest.
Arnold Schwarzenegger ist sympathisch, erfolgreich - das schon in zwei unterschiedlichen Disziplinen, ehe er es nun in der dritten versucht -, er wirkt trotz all seiner Erfolge bescheiden, er engagiert sich für Behinderte, er hat auch keine Scheu, sich zu seiner alten Heimat zu bekennen, auch wenn das in Amerika P.R.-Experten nicht gerade empfehlen.
Obwohl der Wechsel eines Stars vom Showbusiness in die Politik längst nicht mehr überraschen kann, amüsieren sich angesichts der Kandidatenliste nun viele über Kalifornien. Jedoch: Nicht nur Professoren dürfen Politiker werden. Und es imponiert, dass ein Gouverneur abberufen werden dürfte, weil er ein Riesendefizit macht, weil die Stromversorgung nach der Privatisierung kollabiert ist, nachdem den Firmen zu niedrige Tarife diktiert worden sind, worauf sich keine Investition mehr rechnet.
All das ist o.k. Nur: Hat Schwarzenegger auch den Durchblick, um diese Missstände in Ordnung zu bringen? Vorerst hat man von ihm ja nur Populismus pur zu hören bekommen. Er werde "aufräumen"; er sei für die Leute, nicht für "Spezialinteressen" da. Da wird es schon mehr Muskelkraft auch oberhalb des Nackens brauchen, um zu begreifen, dass genau da das Problem jeder Politik liegt: Es gibt nicht die "Leute", sondern eine Vielzahl von Menschen - eben mit Spezialinteressen. Die durch die Politik ausbalanciert werden müssen. Müssten.

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