"kreuz&quer" auf den historischen Spuren der Bibel

Wie Mose das Rote Meer teilte

Wien (OTS) - Erst Mitte Juni wurde eine im Vorjahr entdeckte Gebein-Urne, auf der die angeblich älteste dokumentierte Erwähnung Jesu zu finden ist, von der Israelischen Altertumsbehörde als Fälschung identifiziert. Die in der altertümlichen Sprache Aramäisch verfasste Gravur lautete "Jakob, Sohn von Joseph, Bruder von Jesus" und hätte der erste Beweis für die historische Existenz Jesu von Nazareth sein sollen. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, die Bibel auf ihren historischen Gehalt abzuklopfen und verschiedene in der Heiligen Schrift beschriebenen Phänomene mit naturwissenschaftlichen Methoden zu erklären. Im Jahr der Bibel liefert "kreuz&quer" nun zwei spannende Stücke Bibelarchäologie: Am Dienstag, dem 12. August 2003, beschäftigt sich die Dokumentation "Die Jungfrau Maria" um 23.05 Uhr in ORF 2 mit der Frage, wer die Mutter Jesu tatsächlich gewesen sein könnte. Eine Woche später, am Dienstag, dem 19. August, geht "Mose -Wahrheit oder Legende" der Geschichte Moses und des Exodus der Israeliten aus Ägypten nach. Höchst aktuell angesichts der gegenwärtigen Wettersituation: Eine Dürre könnte ein gewaltiges Fischsterben verursacht und somit den Nil blutrot gefärbt haben - die erste der zehn biblischen Plagen.

Die Jungfrau Maria: Gab es für die Mutter Jesu ein reales Vorbild?

Die bedeutendste Frauengestalt des Christentums unter der Lupe der Bibelarchäologie: Maria, die Mutter Jesu. Für gläubige Christen ist sie die reine Jungfrau, die den Heiland auf die Welt gebracht hat. Doch gibt es für dieses fromme Bild, das sich Christen weltweit von Maria machen, ein reales Vorbild? Existiert hinter der Madonna noch eine andere Frau, nämlich Miriam, das jüdische Mädchen aus einfachen Verhältnissen? Ein Mädchen, das die traditionelle Frauenrolle seiner Zeit einnehmen musste: den Eltern zum Gehorsam verpflichtet, von jeder Bildung ferngehalten, nur dazu bestimmt, so rasch wie möglich an einen Mann verheiratet zu werden? Die "kreuz&quer"-Dokumentation "Die Jungfrau Maria" geht auch der Frage nach, ob sich Maria überhaupt bewusst war, dass sie von Gott auserwählt war, den Erlöser zu gebären. Dabei werden auch umstrittene Theorien auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, zum Beispiel die Behauptung, dass Maria von einem römischen Soldaten vergewaltigt und geschwängert worden sei. Die aufwendig gestaltete Spieldokumentation von David McNab versucht Maria in ihre Zeit einzubetten und entwirft so das Bild eines typischen Frauenlebens in Palästina - das einer Verehrung Mariens als Gottesmutter keinesfalls im Wege steht.

Mose - Wahrheit oder Legende: Gibt es Beweise für den Exodus?

Mose und der Auszug der Israeliten aus Ägypten gehören zu den bekanntesten Erzählungen des Alten Testaments, der Hebräischen Bibel. Wie viel historische Wahrheit steckt hinter diesen uralten Geschichten? Bisher glaubten viele Wissenschafter, dass es keinerlei Beweise für die Existenz von Mose und den Auszug aus Ägypten gäbe. Gemeinsam mit Klimaforschern, Vulkanexperten, Biologen und anderen Wissenschaftern gingen die beiden Ägyptologen James Hoffmeier und David Rohl auf die Suche nach dem wahren Mose. Dabei sind sie zu sensationellen Erkenntnissen gelangt: Einige der zehn Plagen lassen sich durchaus naturwissenschaftlich erklären. Beweist das aber auch die Existenz des Mose?

Höchst aktuell: Eine Dürre könnte der Grund für blutroten Nil gewesen sein

Weite Teile Europas leiden derzeit unter den Folgen der lang anhaltenden Dürre. Eine Dürre oder Umweltverschmutzung - so die Vermutungen der Forscher in "Mose - Wahrheit oder Legende" -könnten als Grund für die erste biblische Plage herhalten: Ein massenhaftes Fischsterben könnte den Nil blutrot gefärbt haben. Das verseuchte Wasser hätte auch der Grund sein können, warum Millionen von Fröschen das Land überrannten - die zweite Plage. An Land starben die Frösche - dadurch kam es zu einer explosionsartigen Vermehrung von Stechmücken und Ungeziefer - die dritte und vierte Plage. Nachdem Fische und Frösche verendet waren, vermehrten sich die Insekten sprunghaft. Möglicherweise übertrugen sie Virusinfektionen auf Pferde und Rinder, die daran zu Grunde gingen - die fünfte Plage. Stallfliegen und andere Insekten haben vielleicht die Menschen gebissen und dadurch die sechste Plage ausgelöst: Geschwüre und Beulen.

Vulkanausbruch auf Santorin: Ursache für Hagel, Finsternis und die Teilung des Meeres?

Bleiben noch vier biblische Plagen - Hagel, Finsternis, Heuschrecken und das Massensterben aller erstgeborenen Söhne - und die Teilung des Roten Meeres zu erklären: Um 1600 vor Christus kam es zu einem gigantischen Vulkanausbruch, der die griechische Insel Santorin in der Ägäis explodieren ließ. Klimaforscher Mike Rampino in der "kreuz&quer"-Doku: "Dann hat es Asche vom Himmel geregnet, gefolgt von Wetterphänomenen, die wir immer nach Vulkanausbrüchen beobachten können: Blitze - vielleicht auch Hagel."

Der Vulkanausbruch könnte auch die Ursache für Moses Teilung des Meeres gewesen sein: In Computersimulationen löste die Naturkatastrophe eine fast 200 Meter hohe Flutwelle aus, die mit 640 Stundenkilometern in Richtung Nildelta raste und dort immerhin noch mit 1,85 Höhe ankam. Dass sich das Meer vor Ankunft der Fluten "teilte", entspräche in der Tat dem Ablaufschema eines solchen Tsunamis. Denn die sich auftürmenden Wellen ziehen zunächst Wasser von der Küste ab, bevor sie umso stärker über dem Strand wieder zusammenbrechen.

Eine Heuschreckenplage ist nicht so selten, als dass man sie in den Bereich der Mythen verweisen müsste: Riesige Schwärme gefräßiger Heuschrecken waren erst Mitte Juni im Westen der USA, besonders in den Bundesstaaten Nevada, Utah und Idaho, auf dem Vormarsch. Und in Österreich haben sich wegen der hohen Temperaturen praktisch seit Mitte April Heuschrecken heuer vergleichsweise stark vermehrt.

Allein den naturwissenschaftlichen Beweis für die zehnte biblische Plage, das Massensterben aller erstgeborenen Söhne, bleibt Wissenschaftsautor und Regisseur Jean-Claude Bragard in der "kreuz&quer"-Doku schuldig.

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