Vertriebsspannen auf Arzneimittel: Das Spiel mit den Prozentsätzen

Wien (OTS) - Medikamente stehen im Zentrum der Vorschläge für Einsparungen im Gesundheitsbereich. Angeblich "explodieren" dabei die Ausgaben (manchmal wird fälschlich auch von Preisen gesprochen). Auf jeden Fall seien aber die "Spannen" des Großhandels und der Apotheken zu hoch. Zur Untermauerung der Vorschläge werden Tabellen über Arzneimittelpreise sowie Vertriebsspannen im europäischen Vergleich präsentiert. Aber was wird hier eigentlich verglichen? ..... Prozentsätze wovon, handelt es sich um "Vertriebsspannen" oder "Aufschläge"? Und was würden die Prozentsätze in Absolutbeträgen, also Euro ausmachen?

Wichtig - und wenig bekannt - ist schon die Ausgangsbasis, nämlich der "Fabriksabgabepreis". Dieser liegt in Österreich im Jahr 2002 mit 8,33 Euro pro Packung etwa um einen Euro unter dem EU-Durchschnitt. Zwischen diesem Fabriksabgabepreis und dem Apothekenverkaufspreis (AVP) liegen nun die Aufwendungen für den Vertrieb. Diese sind in Prozent oder auch in Absolutbeträgen darstellbar. Die Prozentsätze können nun "von unten" oder "von oben" berechnet werden.

Dabei ist "Spanne" ist nicht gleich "Aufschlag"! So bezeichnet die Apothekenspanne den Anteil der Apotheke am Apothekenverkaufspreis (Berechnung also von oben). Der Aufschlag hingegen ist jener Prozentsatz, den der Apotheker auf seinen Einkaufspreis hinzu rechnet (also von unten). Demnach sind prozentuale Aufschläge erheblich höher als Spannen.

Unklar ist weiter: bezieht sich die Spanne auf den Verkaufspeis inklusive oder exklusive Umsatzsteuer? Wenn als Berechnungsbasis für die Spanne der Verkaufspreis exklusive Umsatzsteuer dient, werden die prozentualen Spannen höher. Dies trifft insbesondere auf Länder mit einer hohen Umsatzsteuer auf Arzneimittel (wie Österreich) zu.

Als Beispiel seien nachstehend die Apothekenspannen inklusive sowie exklusive Umsatzsteuer für das Jahr 2001 dargestellt. Österreichs Apothekenspanne würde unter Berücksichtigung der Steuer je nachdem von 27,7% auf 23,1% zurückgehen.

Weiters: Der Arzneimittelvertrieb unterliegt in den europäischen Ländern unterschiedlichen Einkaufskonditionen (Rabatte vom Hersteller an den Großhandel, vom Großhandel an die Apotheken, Krankenkassenrabatte etc.). Bei der Analyse internationaler Preisvergleiche ist immer zu hinterfragen, in welchem Ausmaß diese speziellen Konditionen Berücksichtigung finden.

Schließlich ist auch noch zu berücksichtigen, dass die Vertriebskanäle (Häufigkeit der Belieferung, staatlicher Vertrieb) in einzelnen Ländern durchaus verschieden sind, was die Vergleichbarkeit der Prozentsätze auf eine weitere harte Probe stellt. Dass man mit Statistiken trefflich lügen kann, ist alt bekannt. Internationale Vergleiche von Vertriebsspannen bei Arzneimitteln - oder sind es etwa doch Aufschläge?- sind dafür eine wunderbare Spielwiese. Auf dieser tummeln sich Gesundheitspolitiker, die Pharmawirtschaft und die Sozialversicherung mit Freude. Und nachdem bekanntlich vieles so schrecklich kompliziert ist, kann fast jede Message in den Medien untergebracht werden.

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