Fitnessprogramm für Österreichs Hotellerie

Melcher: Neue Trends im Reiseverhalten: "Kürzer, intensiver, flexibler" - Ertragskraft der Betriebe muss verbessert werden

Wien (PWK516) - "Der bisherige Saisonverlauf gibt der österreichischen Hotellerie Anlass zu Optimismus. Nach einem guten Saisonauftakt ist, nicht zuletzt dank des prächtigen Wetters, mit einem positiven Verlauf der Sommersaison zu rechnen. Dies bestätigt eine aktuelle Umfrage des Fachverbandes Hotellerie in allen Bundesländern. Im Juli ist der Buchungsstand zwar schwächer, dies dürfte durch die hervorragende Buchungslage im August allerdings mindestens ausgeglichen werden.

"Um auch in Zukunft als Urlaubsziel konkurrenzfähig zu sein, braucht die heimische Hotellerie ein Fitness-Programm", stellte Kommerzialrat Hans Melcher, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, am Mittwoch anlässlich des traditionellen Sommerpressegespräches fest. Es sei daher nötig, umgehend die richtigen Weichen für die Branche zu stellen. "Unsere Branche muss sicher einige Hausaufgaben erledigen. Wir erwarten uns aber auch Unterstützung durch die Politik. Diese sollte sich bewusst werden, welche Bedeutung die Tourismus-Branche als Marketinginstrument für den Wirtschaftsstandort Österreich hat".

Zu den Faktoren, die die Umsatzentwicklung der heimischen Beherbergungsbetriebe trüben, zählen unter anderem die schwierige wirtschaftliche Situation im nach wie vor wichtigsten Urlauber-Herkunftsland Deutschland und der für viele Urlauber immer noch ungewohnte und daher besonders vorsichtige Umgang mit der neuen Währung.

Unabhängig von diesen aktuellen Entwicklungen sieht sich die Hotellerie mit neuen Trends im Reiseverhalten konfrontiert:
Kurzfristiger, kürzer, intensiver, flexibler, ... "Es wird immer kurzfristiger gebucht. Durch die zunehmende Zeitknappheit wird die Qualität des ( Kurz-) Aufenthaltes zunehmend nach den Erlebnissen pro Stunde oder in Minuten bewertet. Das neue Körperbewusstsein und das Streben nach Gesundheit und Wellness führen zu einer verstärkten Nachfrage nach Aufenthalten in einer "intakten Umwelt". Gefragt ist dabei das Unkonventionelle. Angebote mit rein schulmedizinischer Ausrichtung werden rasch an Bedeutung verlieren. Auf diese neuen Ansprüche müssen sich viele heimische Betriebe erst einstellen”, hebt Melcher hervor.

Wie eine Studie zur Kosten-, Ertrags- und Finanzlage der heimischen Beherbergungsbetriebe ergibt, schreiben derzeit rund 65 Prozent der Betriebe Gewinne, aber nur 38 Prozent der Betriebe weisen ein positives Eigenkapital auf. Im Durchschnitt liegt der Cash flow bei 14%. Ein Problem ist die fristeninkongruente Finanzierung, d. h. langfristige Investitionen sind nicht ausschließlich langfristig finanziert.

Angesichts neuer Kreditvergaberichtlinien und Ratings ("Basel II") gilt es, die Gesamtsituation der Branche zu verbessern. "Gerade hier sind wir auf die Unterstützung der Politik angewiesen", so Melcher. Notwendig ist jetzt für Kapitalgesellschaften eine Senkung der Körperschaftssteuer von 34% auf 30%. In der Hotellerie würden davon 1.365 Betriebe profitieren, rechnet Melcher vor.

Darüber hinaus wird die Abschaffung der Kreditvertragsgebühr und der Eintragungsgebühr für Hypotheken (Grundbuch) gefordert. Diese Gebühren verteuern die Kreditfinanzierung und sind europaweit einzigartig. Derzeit betragen sie 0,8% für die Vergebührung des Kreditvertrages plus 1% Eintragungsgebühr ins Grundbuch. Mit deren Streichung wäre eine Kostenreduktion um 1,8 % erreicht.

Der Fachverband Hotellerie fordert weiters die Abschaffung der Gesellschaftssteuer, die die Zufuhr von Risikokapital "bestraft". "Weiters fordern wir die Wiedereinsetzung des 4%igen Abschreibungssatzes. Denn 25 Jahre Nutzungsdauer entsprechen eher der Realität, 33 Jahre schon gar nicht", betont der Sprecher der österreichischen Hotellerie.

Vor allem die zahlreichen kleinen Betriebe müssten danach trachten, ihre Fixkosten zu senken, ihre Zusammenarbeit zu verstärken oder Kooperationen einzugehen. Über die Marketingkooperation hinaus sollten sich die Unternehmen auf Servicekooperationen einlassen, bei denen es um die Nutzung gemeinsamer Systeme geht, wie zB. gemeinsames Controlling, Mitarbeiterpool oder gemeinsamer Einkauf.

Ein "wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung" stellen die neuen Klassifizierungsrichtlinien dar. Die "Sterne" sind für die heimische Hotellerie zu einem wichtigen Marketing-Instrument und für die Gäste zu einer unentbehrlichen Orientierungshilfe geworden.

Mit der vor gut einem Jahr erfolgten Neufassung der Klassifizierungsrichtlinien sieht sich Obmann Melcher am richtigen Weg: "Damit haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Denn die neuen Richtlinien orientieren sich ausschließlich an den Interessen unserer Gäste." Die Richtlinien wurden mit Hilfe einer Gästebefragung an die geänderten Konsum- und Gästewünsche angepasst.

Damit ist auch die Aufgabe der Klassifizierungskommission klar definiert: "Diese geht mit den Augen des Gastes durch den Betrieb und bewertet streng danach". Die Kommission ist nicht Behörde oder "Sanktionierer", sondern hat die Rolle eines "Mysteryguests", der das Angebot kritisch aber fair beurteilt: "Die Kommission wird die vom Besitzer angestrebte Sternezahl nur dann vergeben, wenn die Richtlinien, die ja Mindestkriterien sind, erfüllt werden", fasst Fachverbandsgeschäftsführerin und Schriftführerin der Sterne-Kommission, Mag. Gabriele Leitner, die in ganz Österreich geübte Praxis zusammen. (hp)

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