Rieder: Fördern Creative Industries als Zukunftsbranche

Neues Kompetenzzentrum für Unternehmen im Bereich Multimedia, Design, Mode und elektronische Musik

Wien (OTS) - "Mit der Gründung des Zentrums für Wirtschaft, Kunst und Kultur, einer neuen Tochtergesellschaft des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), setzt die Stadt Wien einen kräftigen Impuls bei den Creative Industries, einem der weltweit besonders stark wachsenden Wirtschaftsbereiche", erklärte Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder in der Bürgermeister-Medienkonferenz am Dienstag.

"Denn geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen verlangen nach neuen, innovativen Ansätzen in der Wirtschaftspolitik. Diesen Weg verfolgen wir mit der Fokussierung auf zukunftsträchtige Bereiche, wie Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologien und jetzt mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft zur Förderung der so genannten Creative Industries in Wien. Damit wird Wien als eine der ersten Städte weltweit eine umfassende kommunale Strategie zur Förderung dieses Bereiches erarbeiten."

Rieder präsentierte die neue Gesellschaft gemeinsam mit KR Walter Nettig, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, und Norbert Kettner, dem künftigen Geschäftsführer .

Das Zentrum für Wirtschaft, Kunst und Kultur wird als Anlaufstelle für Unternehmen agieren, die Projekte an der Schnittstelle Kunst, Kultur und Wirtschaft entwickeln und kommerziell nutzen. Gleichzeitig mit der Gründung der neuen Gesellschaft fällt im September auch der Startschuss für den bereits zweiten Call im Bereich der Creative Industries. Der Call richtet sich an Unternehmen im Bereich Multimedia, wobei Projekte die sich mit dem Mozartjahr 2006 beschäftigen, bevorzugt werden. Informationen unter http://www.wiennovation.at .****

Schon der erste Call "Creative Industries Vienna 2002" war ein voller Erfolg und zeigte das große Potenzial, das in dieser Branche steckt. Die Umsetzung dieser Call-Projekte löst ein Investvolumen von 44 Millionen Euro aus und bringt Arbeitsplätze für 680 Menschen. Nach Berechnungen des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) arbeiten bereits heute im Bereich der Wiener Creative Industries 50.000 bis 60.000 Personen.

Trend rechtzeitig erkannt

"Die Creative Industries als Zukunftsbranche. Diesen Trend haben die Wirtschaftskammer Wien und die Stadt Wien rechtzeitig erkannt und bereits im Vorjahr mit dem Call "Creative Industries - Vienna 2002" eine eigene Förderschiene im Kreativbereich installiert", berichtet KR Walter Nettig. "Das Echo von den Unternehmern war und ist enorm. Allein 2002 haben mehr als 100 Wirtschaftstreibende hochinteressante Projekte eingereicht. Heuer wird diese erfolgreiche Initiative mit dem Schwerpunkt "Multimedia" fortgesetzt. Die Zielgruppe reicht dabei von Softwareentwicklern über Webdesigner bis hin zu Werbegrafikern. Die Gründung der neuen Anlaufstelle soll dazu beitragen, dass das enorme Potenzial der Wiener Kreativwirtschaft noch besser und effizienter genutzt werden kann."

Kompetenzzentrum für kreative Unternehmen

Die wichtigste Aufgabe der neuen Gesellschaft: Sie soll als Kompetenzzentrum und Anlaufstelle agieren, für alle Unternehmen, die Projekte an der Schnittstelle Kunst, Kultur und Wirtschaft durchführen. Indem Kooperationsmodelle entwickelt, positive Konkurrenz gefördert und potenzielle Wirtschaftspartner zusammen gebracht werden, soll das vorhandene Potenzial in diesem Wirtschaftszweig gestärkt werden. Außerdem wird sich die neue Servicestelle um die Förderung von konkreten Projekten über die Schiene der so genannten Calls kümmern. Bei diesen speziellen Wettbewerben können Unternehmen aus den Creative Industries ihre Projekte einreichen. Die besten werden von einer Jury ausgewählt und erhalten Förderungsgelder für die Umsetzung.

Mit Kreativität Geld verdienen

"Unsere Aufgabe ist es nicht, aus Künstlern Buchhalter zu machen oder Kunstschaffenden einzureden, dass all ihr Tun sich ´am Markt´ zu orientieren hätte." So definiert Norbert Kettner das Credo für seinen neuen Job. "Das Projekt ist kein innerstädtischer Kuhhandel, wo ein Wirtschaftlichkeitsargument vorgeschoben wird, um letztendlich Kulturgelder zu kürzen. Das Kulturbudget der Stadt und die Kriterien für deren Vergabe bleiben unangetastet. Die Zielgruppe sind Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit ihrer Kreativität auch Geld verdienen wollen. Gleichzeitig sind wir uns der besonderen Bedürfnisse unserer Zielgruppe bewusst: Die beinahe natürliche Distanz von kreativen zu öffentlichen Institutionen macht eigene Kommunikationsformen und ´Umgangsformen´ notwendig. Keinesfalls werden wir einen ´beamteten´ Bereich schaffen, in dem Kreativität entweder zu Tode administriert oder zu Tode gefördert wird. Das kann nicht funktionieren."

Wirtschaftszweig mit großem Zukunftspotenzial

Mit dem Schwerpunkt Creative Industries konzentriert sich die Stadt Wien auf ein weiteres vorhandenes Stärkefeld und folgt damit unter anderem auch den Empfehlungen des WIFO, das bei Projekten an der Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaft bereits vor Jahren ein erhebliches Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenzial für Wien ortete.

"Die Wiener Kreativwirtschaft weist seit einigen Jahren enormes Wachstum auf und ist damit mittlerweile zu einem sehr bedeutenden Sektor für den Wirtschaftsstandort Wien geworden - ein Ende dieser dynamischen Entwicklung ist nicht in Sicht", berichtet KR Walter Nettig.

"Wie zahlreiche Beispiele auf internationaler Ebene zeigen, ist das diesbezügliche Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Laut aktuellen Schätzungen der Wirtschaftskammer Wien auf Basis des vor kurzem veröffentlichten "Ersten Österreichischen Kreativwirtschaftsberichtes" beträgt die Anzahl der in der Wiener Kreativwirtschaft tätigen Unternehmen bereits rund 5.000, die mehr als 25.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Diese Zahlen umfassen aber lediglich den privatwirtschaftlichen Kreativbereich, der öffentliche Sektor sowie der Non Profit-Bereich sind darin noch gar nicht enthalten. Rechnet man auch diese Bereiche dazu, so sind laut WIFO-Daten 50.000 bis 60.000 Menschen in dieser Branche tätig. Weitere detaillierte Zahlen für die wichtigsten Branchen der Wiener Kreativwirtschaft wird der derzeit in Ausarbeitung befindliche - von Stadt Wien und Wirtschaftskammer Wien gemeinsam beauftragte - Wiener Kreativwirtschaftsbericht im Spätherbst liefern".

44 Millionen Euro Investvolumen und 680 neue Arbeitsplätze

Das Potenzial der Creative Industries hat sich bei der Durchführung des Calls "Creative Industries Vienna 2002" erstmals eindrucksvoll bestätigt. Die Umsetzung der erfolgreichen Call-Projekte löste ein Investvolumen von 44 Millionen Euro aus und bringt Jobs für 680 Personen.

Wie aus der begleitenden Evaluierung des Calls hervor geht, handelte es sich bei den teilnehmenden Unternehmen um eine überaus optimistische Gruppe, die bisher allerdings von der Wirtschaftspolitik nicht ausreichend zur Kenntnis genommen worden ist. Zu ihrer wirtschaftlichen Situation und ihren Rahmenbedingungen gaben die teilnehmenden Unternehmen u.a. Folgendes an:

o Rund 79 Prozent rechnen damit, dass ihre MitarbeiterInnenzahl
von 2002 bis 2006 steigen bzw. stark steigen wird.
o Bei zwei Drittel der Unternehmen sind die Umsätze in den

vergangenen Jahren gestiegen bzw. stark gestiegen. Bis 2006 rechnen fast 94 Prozent der Unternehmen mit steigenden bzw.

stark steigenden Umsätzen.
o 56 Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Nachfrage von 1997

bis 2001 gestiegen bzw. stark gestiegen ist. Für die Zukunft glauben rund 85 Prozent daran, dass die Umsätze steigen

bzw. stark steigen werden.
o 60 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Exporttätigkeit in

den vergangenen Jahren gleich geblieben ist. Bei 31 Prozent der Unternehmen ist sie stark gestiegen oder gestiegen. Für die Zukunft glauben fast 80 Prozent, dass ihre Exportaktivitäten steigen werden. o Zwischen 1997 und 2001 sind bei rund 76 Prozent der Unternehmen die Aufwendungen für die Entwicklung neuer Produkte gestiegen bzw. stark gestiegen. Für die Zukunft gehen rund 73 Prozent von steigenden bzw. stark steigenden Aufwendungen für die Entwicklung neuer Produkte aus.

WIFO empfiehlt Creative Industries als Wirtschaftsschwerpunkt

Das WIFO hat bereits im Jahr 2001 die so genannten "Creative Industries" als Wiener Stärkefeld identifiziert und empfiehlt diesen Bereich ausdrücklich als wirtschaftspolitischen Schwerpunkt für Wien, da "wesentliche Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung künftig von der Verwertung kultureller Güter ausgehen werden".

Das WIFO empfiehlt darüber hinaus, singuläre Strategien, wie etwa die Errichtung einer neuer Förderschiene mit einer umfassenden Strategie zu verknüpfen, die zum Beispiel folgende Aspekte mit einbezieht: Contentförderung in Hinblick auf zusätzliche Angebote von Mobilfunkbetreibern (UMTS), Rechtssituation, Kooperation zwischen und Zusammenführen von Produzenten und nationalen und internationalen Abnehmern, Stimulierung von Neugründungen, Netzwerk zwischen Kunst und Unterhaltungsproduzenten oder Ausbildung. Genau dieses Aufgaben wird das neue Zentrum für Wirtschaft, Kunst und Kultur erfüllen.

Creative Industries: Erfahrungen in London

In London sind die Creative Industries drittgrößter Beschäftigungsfaktor mit 525.000 MitarbeiterInnen. Nur der Gesundheitsbereich (600.000 Jobs) und der Dienstleistungsbereich (1,1 Mio. Jobs, Wertschöpfung 48 Mrd. Euro) bieten in London mehr Arbeitsplätze. Die Creative Industries sind nach dem Dienstleistungsbereich der zweitgrößte Jobmotor Londons: Jährlich wird ein Fünftel der Arbeitsplätze im Bereich der Creative Industries geschaffen.

Von 1995 bis 2000 verzeichneten die Creative Industries in London folgende Entwicklung:

o Wertschöpfung: + 8,5 Prozent jährlich, von 17,4 Mrd. Euro auf 30,5 Mrd. Euro
o Produktivität: + 4 Prozent jährlich, von 45.000 Euro/Kopf auf

55.000 Euro/Kopf. Die durchschnittliche Wachstumsrate in ganz Großbritannien betrug jährlich 1,4 Prozent, eine Steigerung von 34.800 Euro/Kopf auf 37.800/Kopf (1995 - 2000)

Parallelen London - Wien

Standorte, die sich im Bereich der Creative Industries profilieren wollen, benötigen eine bestimmte Ausgangssituation. Diese Ausgangssituation ist - trotz der offensichtlichen Größenunterschiede - für Wien eine ähnliche wie für London:

o Standort mit hoher Wertschöpfung (London reichste Region der EU, Wien siebentreichste Region)
o Hohes Bildungsniveau
o Direkter Zugang zu Märkten mit hoher Kaufkraft
o Große kulturelle und ethnische Vielfalt (z.B. mittel- osteuropäische Sprachen in Wien stark vertreten)
o Hohe Dienstleistungsdichte
o Gut ausgebaute Infrastruktur

Creative Industries - Call Multimedia Vienna 2003 - Mozartjahr 2006

Im Herbst dieses Jahres findet der bereits zweite Call im Bereich der Creative Industries statt. Der Call richtet sich an Unternehmen im Bereich Multimedia, wobei Projekte, die sich mit dem Mozartjahr 2006 beschäftigen, bevorzugt werden. Dies ist aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Call. Den Juryvorsitz übernimmt auch diesmal Mag. Kathrin Zechner, die als profunde Kennerin der Wiener Creative-Industries-Szene schon beim ersten Wiener Creative-Industries-Call mitgewirkt hat.

Die Förderquote beträgt je nach Charakter des Projektes 25 bis 60 Prozent. Gefördert werden ausschließlich interne und externe Personalkosten. Die maximale Förderhöhe beträgt pro Teilnehmer und Projekt 250.000 Euro. Insgesamt stehen für den Call 1,5 Mio. Euro zur Verfügung. Die drei besten Projekte erhalten darüber hinaus Preisgelder in Höhe von 15.000, 10.000 bzw. 5000 Euro.

Die Einreichfrist für den Call "Creative Industries - Multimedia Vienna 2003" läuft von Montag, 1. September 2003, 9 Uhr, bis Donnerstag, 4. September 2003, 15 Uhr. Informationen unter http://www.wiennovation.at/ (Schluss) gat

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