Von Jagd- und Weinkalendern: Klimageschichte Wiens erforscht

Wien (OTS) - Damit Klimaforscher zukünftige Entwicklungen beschreiben können, brauchen sie historische, möglichst lang zurück reichende Datensätze: Für Wien und das östliche Österreich hat die Historikerin Dr. Elisabeth Strömmer in mehr als 2,5 Jahren um die 10.000 Daten in Sachen Dürre, Eisstöße, Trockenheit und Überschwemmungen zusammen gesucht. Was, wie Strömmer im Gespräch mit der Rathauskorrespondenz erzählt, oftmals nicht sonderlich einfach war, "da die historischen Klima-Daten überall versteckt sein können." So entpuppten sich etwa der Jagdkalender von Kaiser Karl VI. oder die Weinanbau-Protokolle des Stiftes Klosterneuburg als wahre Schätze in Sachen Klima-Geschichte. Neben dem Wiener Stadt- und Landesarchiv und dem Staatsarchiv nutzte die 36jährige Historikerin für ihr Projekt, welches jüngst auch in Buchform erschienen ist und die Zeit von 1700 bis 1830 umfasst, auch kleinere Archive, wie etwa jene der Stifte Melk und Göttweig, oder Stadtarchive der Weinbau-Gemeinden Gumpoldskirchen oder Mödling. "Historisch besehen ist der Herbst am schlechtesten dokumentiert", erzählt Strömmer, die auf den grundsätzlichen Zusammenhang von Ernäherung und Anbau und Wetterbeobachtung aufmerksam macht. Besonderes Augenmerk neben dem Winter, vor allem dem Frühjahr, wenn die Aussaat bevorstand.

Die ältesten kontinuierlichen Klimaaufzeichnungen für Wien stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. In den 30er und 40er Jahren des 18. Jahrhunderts entstand erstmals eine staatlich geförderte Wetterbeobachtung, die mit eigens entworfenen Instrumenten für eine genaue und kontinuierliche Wetterbeobachtung sorgte. Neben den sehr unterschiedlichen historischen Quellen spricht Strömmer, die sich bereits seit mehr als 10 Jahren mit dem Klima auseinandersetzt, auch das Problem der "richtigen Interpretation" an, da viele Wetter-Beschreibungen wie etwa "rottig", "leidig", "scharf kalt" oder "temperiert" verschiedenes bedeuten können. Die Häufigkeit an Naturkatastrophen durch Eisstöße, Überschwemmungen und Trockenperioden in den Quellen dürfe, so die Historikerin, nicht verwundern: "Unspektakuäres Wetter wurde lange Zeit als nicht aufzeichnungswürdig betrachtet."

Inhaltlich teilt sich Strömmers Buch im wesentlichen in zwei Teile. Im ersten werden in verständlicher Art und Weise auf die heterogenen Quellen und ihre Interpretation eingegangen, der zweite Bereich birgt eine Chronologie der Wetter-Ereignisse der Jahre von 1700 bis 1830.

Auf die Frage, wie sie die heutige Wetterberichterstattung einschätze, betont Strömmer, dass sie eingedenk der Fragilität vieler Wetter relevanter Quellen von Begriffen wie "Jahrhundert-Sommer" oder "kältester Winter seit Menschengedenken" nur wenig halte.

Elisabeth Strömmer: "Klima-Geschichte. Methoden der Rekonstruktion und historische Perspektive Ostösterreich 1700 bis 1830", 325 Seiten, Deuticke Verlag, EUR 29,90. (Schluss) hch

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