AK-Studie: Verhaltenskodex wird von den meisten börsennotierten Unternehmen ignoriert

Nur ein Drittel hält Corporate Governance Kodex ein - Meist die "Großen" - AK fordert klare gesetzliche Regeln statt bloßer Empfehlungen

Wien (AK) - Bloß jedes dritte börsennotierte österreichische Unternehmen hält den Corporate Governance Kodex noch dazu oft schlampig ein, was heißt, sie verpflichten sich freiwillig auf ihrer Website oder im Geschäftsbericht etwa zu mehr Transparenz, indem sie zB nähere Informationen zu den Vorstandsgehältern veröffentlichen. Das tun meist die "Großen", wie OMV oder Wienerberger, zeigt eine neue AK-Studie. Zwei Drittel ignorieren den Kodex ganz. Die ernüchternden Ergebnisse bestätigen die AK-Kritik, sagt Autor Heinz Leitsmüller: Statt bloßer Empfehlungen im Kodex müssen klare gesetzliche Regeln her.

Seit etwa einem drei viertel Jahr gilt der Corporate Governance Kodex. Alle börsennotierten Gesellschaften sollten sich freiwillig verpflichten, ihre Unternehmenssteuerung und -kontrolle nach strengeren Regeln auszurichten, als es das Aktienrecht selbst vorsieht. Dadurch sollte das Vertrauen der Anleger in den Kapitalmarkt wieder hergestellt werden.

Die AK hat die Websites und Geschäftsberichte 91 österreichischer Unternehmen, die an der Börse notieren, untersucht, ob sie den Kodex anwenden. Das Ergebnis ist für Leitsmüller unbefriedigend: Zwei Drittel der börsennotierten Unternehmen ignorieren den Kodex. Nur ein Drittel hat sich dem Kodex überhaupt verpflichtet, und nur ein Teil der Empfehlungen wird auch wirklich umgesetzt. Dem Kodex verpflichtet haben sich die "Großen", wie OMV, Voest Alpine, Wienerberger oder RHI. Empfehlungen des Kodex, die meist nicht eingehalten werden, sind etwa: die Angaben über die Altergrenze bei den Vorständen und Aufsichtsräten - laut Kodex sollten Vorstände und Aufsichtsräte nicht älter als 65 Jahre sein; Meldungen über Aktienkäufe oder -verkäufe des Vorstandes werden nicht bekannt gegeben; Zusatzverträge des Aufsichtsrates mit dem Unternehmen werden nicht veröffentlicht; Organfunktionen des Aufsichtsrates bei konkurrierenden Unternehmen werden verheimlicht. Außerdem fehlt nach wie vor ein effizientes Monitoringsystem, kritisiert Leitsmüller. Bis jetzt müssen Anleger oder andere Interessierte den Angaben des Kodex vertrauen, eine externe Überwachung wurde bislang nicht umgesetzt.

Die AK-Studienergebnisse bestätigten die AK-Kritik: Gerade die Pleiten von Enron oder World Com, die das Vertrauen in die Kapitalmärkte massiv geschädigt und die Kurse anderer Aktien mit nach unten gezogen haben, zeigen, wie wichtig eine Weiterentwicklung dieses Kodex wäre, so Leitsmüller. Die Inhalte des Kodex gehen zwar in die richtige Richtung. Jedoch statt eines unverbindlichen Kodex sind klare gesetzliche Regeln für eine bessere Unternehmenskontrolle nötig, fordert die AK: klare Unvereinbarkeitsregeln für Vorstand und Aufsichtsrat, Offenlegungspflicht für Bezüge von Vorstand und Aufsichtsrat, Transparenz bei Stock Options Programmen, Sicherstellung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers und Aufsichtsrates und strengere Sanktionen bei Missachtung der Rechnungslegungsvorschriften.

SERVICE: Die AK-Studie finden Sie unter www.akwien.at/IFAM.

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