Siesta, por favor!

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Hans Weitmayr

Wien (OTS) - Arbeitsplatz Österreich, an einem Montag Anfang August, früher Nachmittag: Das Thermometer zeigt 35 Grad im Schatten, ein Ventilator summt sanft im Hintergrund und rührt Luft um. Die Kollegen sprechen seit Stunden nicht mehr miteinander - sie sind zu sehr damit beschäftigt, hitzebedingte Ohnmachtsattacken abzuwehren. Diese haben sich seit der Mittagspause noch verstärkt - und das, obwohl man nur etwas Leichtes gegessen hat: Schnitzerl, Pommes, Ketchup.

Die Zeit fliesst zäh dahin, Eskapisten befinden sich gedanklich an der Alten Donau oder am Wörthersee - die Brühe, die sich Neusiedler See nennt, spielt in derlei Fantasien nur eine untergeordnete Rolle. Der Geruch billigen Deos, mit dem Mann von gestern alles - ausser seinen Körpergeruch - fest im Griff hat, ruft bei den Kollegen Schleimhaut-Entzündungen hervor. Es ist alles ein bisschen unproduktiv.

Ortswechsel: Irgendwo in Spanien, sagen wir Barcelona, selbe Zeit:
Auch hier denkt niemand an Arbeit. Gelassen sitzen die iberischen Arbeitnehmer in einem Café an irgendeiner Ecke im Schatten eines Baumes. Der eine nippt an einem Espresso, der andere an einem Long Island Ice Tea, nachher vielleicht noch an den Strand. Man hat ja noch drei Stunden, weil: Siesta. Die Rollläden bleiben während der heissesten Tageszeit unten, einzig die Touristenläden müssen die Zähne zusammenbeissen: Teutonische und angelsächsische Touristen sind eher nicht bereit, mit dem Erwerb ihrer Ansichtskarten bis 17 Uhr zu warten - obwohl: besser kein Spott über Touristenverhalten an dieser Stelle. Wohin das führen kann, weiss man inzwischen.

Also zurück zur Siesta: Nach Absolvierung derselben gehen Herr und Frau Spanier wieder arbeiten. Inzwischen hat es nicht mehr 34 oder 43 Grad im Schatten, sondern vielleicht 28. Und das sind Temperaturen, mit denen auch Büro-Klimaanlagen wieder fertig werden. Produktivität, Qualität und Arbeitsklima lassen sich besser halten. Wobei Letzteres auch daran liegen mag, dass Trägern von Deos, wie sie mitunter in Österreich aufgetragen werden, anderswo der Landesverweis droht -wahrscheinlich in die Alpenrepublik.

Alles schnöde Polemik? Mitnichten. Das spanische BIP ist im Juni -und da setzte es in Österreich laut Hohe Warte Tageshöchstwerte von bis zu 36 Grad - mit zwei Prozent doppelt so schnell gewachsen wie das der Alpenrepublik.
Was auf der anderen Seite zeigt: Mit Statistik lässt sich alles beweisen.

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