ÖGJ-Eder: Ausbildungsplätze für alle schaffen!

Gerechte Finanzierung des dualen Ausbildungssystems dringend notwendig; bis dahin muss die öffentliche Hand mit einem Auffangnetz einspringen.

Wien (ÖGJ/ÖGB). "Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Regierung verspricht Ausbildungsplätze für alle, die eine Lehrstelle suchen. Dann passiert lange nichts, und im Sommer stehen wieder mehr Jugendliche ohne Job da als im Jahr davor", kritisiert Jürgen Eder, der Bundesvorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) die Ausbildungs- und Beschäftigungspolitik der Bundesregierung. Ende Juli standen nur 3.116 offene Lehrstellen zur Verfügung - für 9.741 Jugendliche, die sofort eine Lehre antreten wollen. "Tatsächlich ist der Bedarf an Lehrstellen aber noch größer, wenn man diejenigen dazurechnet, die gerade in kurzfristige Schulungen geschickt wurden, die prinzipiell aber auch eine Stelle suchen", ergänzt Eder die offiziellen Zahlen.++++

Angesichts der permanent steigenden Jugendarbeitslosigkeit fordert die ÖGJ sowohl Sofortmaßnahmen als auch langfristige Reformen. Für die derzeitigen Lehrstellensuchenden müssten bis zum Herbst geeignete Alternativen zu den fehlenden Lehrstellen in den Betrieben geschaffen werden. Die Jugendlichen dürften nicht in kurzfristige Übergangskurse abgeschoben werden, die vor allem zur Verschönerung der Arbeitslosenstatistik dienen. "Die Regierung muss den Jugendlichen, die in der Wirtschaft keine Lehrstelle finden, wieder Ausbildungsplätze in Stiftungen zur Verfügung stellen. Ihnen muss garantiert werden, dass sie dort mit der Lehrabschlussprüfung in der Hand herauskommen können", verlangt Eder.

Langfristig appelliert der ÖGJ-Vorsitzende an Minister Martin Bartenstein, dafür zu sorgen, dass sich die Betriebe wieder verstärkt der Lehrlingsausbildung widmen. Den Unternehmen müsse die Angst genommen werden, dass die von ihnen teuer ausgebildeten Fachkräfte nach Abschluss der Lehre von anderen Firmen abgeworben werden, die sich vor der Lehrlingsausbildung drücken. "Das kann nur funktionieren, wenn sich auch die Nicht-Ausbildner an den Ausbildungskosten beteiligen. Die ÖGJ fordert daher den vollen finanziellen Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben", bekräftigt Jürgen Eder.

Ein funktionierendes Ausbildungssystem liege im Interesse des gesamten Wirtschaftsstandorts Österreich. Für die Jugendlichen selbst würde eine fundierte Berufsqualifikation die Wahrscheinlichkeit, später arbeitslos zu werden, massiv senken. "Auch dürfen wir die Auswirkungen nicht vernachlässigen, die die frühe Erfahrung der Arbeitslosigkeit auf das Selbstbewusstsein und auf die weitere Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen haben kann", warnt Eder abschließend vor den psychischen Nebenwirkungen einer kurzsichtigen Berufsbildungspolitik.(fk)

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