Malta: Drehscheibe nach Nord-Afrika mit österreichischem Brückenkopf

Österreich ist mit der Beteiligung am Flughafen in Valetta fest auf Malta verankert - der kleine überschaubare Markt bietet sich vor allem für Exportunternehmen im Tourismusbereich an

Wien (PWK512) - Die letzten sechs Monate dürften wohl die turbulentesten in der Nachkriegsgeschichte des Inselstaates gewesen sein. Zwölf Jahre lang haben die verschiedenen Regierungen den Beitrittsprozess zur EU betrieben oder verworfen. Die jetzige Regierung hat die Beitrittsverhandlungen heuer mit dem Beitrittsreferendum abgeschlossen. "Trotz vorjähriger Konjunkturschwächen in einigen wichtigen Sektoren kann die Wirtschaft des kleinen Inselstaates auf wesentliche Erfolge verweisen und scheint insgesamt für den Beitritt gut gerüstet", sagt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. Als künftiges EU-Mitglied werde Malta eine Reihe positiver Bereiche in die Union einbringen können: Etwa die reiche Tradition in Handel und Schifffahrt (Malta hat das drittgrößte Schifffahrtsregister der Welt mit 1.500 eingetragenen Handelsschiffen), den hohen Ausbildungsstandard der Bevölkerung oder die Attraktivität als Firmenstandort - mit einem immer noch relativ niedrigen Lohnniveau -und als Tourismusdestination.

Österreich hat in Malta ein hervorragendes Image und eine fest verankerte Stellung. Vor allem seit der Übernahme eines vierzigprozentigen Anteils am Malta International Airport durch ein Konsortium unter Führung des Flughafens Wien. Der Airport ist neben dem Seehafen ein wichtiger Brückenkopf nach Nordafrika. Besonders gute Beziehungen unterhält der Inselstaat zu Libyen. Seit Anfang April 2003 wurde auch die direkte Flugverbindung der Austrian Airlines Gruppe zwischen Wien und Valletta wieder aufgenommen. Die österreichischen Lieferungen nach Malta bestehen hauptsächlich aus Maschinen und Fahrzeugen, Nachrichtentechnik, Lebensmitteln, Holz und Papier. Der Marktanteil an den maltesischen Gesamtimporten konnte im bisherigen Spitzenjahr 2001 annähernd verdoppelt werden. Im Jahr 2002 war jedoch aufgrund der Beendigung eines Großprojektes im Telekommunikationsbereich und teilweiser maltesischer Konjunkturschwäche, ein Rückgang der österreichischen Lieferungen um 22 % (Volumen: 21 Mio Euro) zu verzeichnen. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres hat sich dieses Bild aber wieder gewandelt: Das Exportplus machte 31,5% gegenüber der Vorjahresperiode aus. Die Importe aus Malta beliefen sich 2002 auf 9 Mio Euro. Die aus österreichischer Sicht traditionell positive Außenhandelsbilanz verschaffte Österreich im vergangenen Jahr Nettoeinnahmen von 11,24 Mio. Euro.

Mit einer Einwohnerzahl von knapp 400.000 handelt es sich bei Malta zwar um einen Markt mit begrenzter Aufnahmefähigkeit, der sich für österreichische Firmen, die Erfahrungen in einem fremdsprachigen, überschaubaren Land suchen, aber durchaus anbietet. "Chancen gibt es vor allem für Unternehmen aus dem Tourismusbereich", sagt WKÖ-Handelsdelegierter Michael Pötscher. Vor allem kleinere und mittlere Exporteure sollten in den Bereichen Hotelausstattung, Hotelverpflegung oder Verbrauchsgüter für Touristen aktiv werden. Als rohstoffarmes, auf den Dienstleistungsexport angewiesenes Land konzentriert sich Malta besonders auf die Tourismusförderung. Mit zirka 32.000 Beschäftigten stellt dieser Sektor den wichtigsten Industriezweig des Landes und trägt ungefähr zu einem Viertel des BIP bei. Zwei Bereiche zeigen in diesem eine ständige zunehmende Entwicklung: Jährlich besuchen über 60.000 Studenten Malta, um dort Englisch zu lernen und die Ankünfte von Kreuzfahrtpassagieren nahmen um 30 Prozent zu.

Erfreulich war die österreichische Exportentwicklung nach Malta besonders auf dem Gebiet höherwertig verarbeiteter Waren und Getränken, die nunmehr mit annähernd 7% die viertwichtigste Einzelposition darstellen. Bedeutende Steigerungen konnten bei pharmazeutischen Erzeugnissen (+109%), Kunststoffen (+223%), Papier und Pappe (+61,5%), Mess- und Prüfinstrumenten (+177%) und Möbeln (+171%) verzeichnet werden. Angesichts der positiven Erfolgsaussichten bei österreichischer Warenexporte ist im November 2003 eine Wirtschaftsmission nach Malta geplant. (BS)

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