"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Viele Versäumnisse" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 2. August 2003

Innsbruck (OTS) - Verkehr und Verkehrspolitik in Europa unterscheiden sich wesentlich: Der Verkehr fließt in Strömen, die Politik steht still. Und zwar in einem Stau aus Halbwahrheiten, Doppelbödigkeiten, hohlen Phrasen, geduldigen Papieren und ergebnislosen Sitzungen zwischen Wahlen. Brüssel, Wien und Innsbruck - überall haben Verkehrspolitiker die Liste der Fehler und Versäumnisse verlängert.
Allen voran die Werten verpflichtete, bürgernahe Europäische Union. In dem Entwurf für die Wegekostenrichtlinie geht es um den -unbestritten sinnvollen und notwendigen - Straßenverkehr, aber vor allem den freien. So werden in dem Papier zwar moralinsauer die Verkehrstoten beklagt, aber die Umweltschäden des Verkehrs nahezu vergessen, obwohl es genau darum geht. Ein Skandal.
Andererseits misslang der Versuch Tirols, mit ausgewählten Wahrheiten international die Verkehrspolitiker zu beeindrucken ohne Urlauber abzuschrecken. Die einen glauben uns nicht, die anderen kommen nicht. Das Wesentliche, nämlich Europa über die Tal- und Wetterlagen Tirols mitsamt negativer Folgen der Schadstoffe für die Gesundheit aufzuklären, wurde verabsäumt. Dafür glaubte man, hiesige Frächter gegenüber ausländischen besser stellen zu können, ohne dass es andernorts bemerkt wird. Man muss tief in den Bergen leben, um anzunehmen, dass einen jene nicht sehen können, die man selbst nicht im Blickfeld hat.
Von den Verkehrsministern der Ökopunkte-Ära Streicher, Klima, Scholten, Einem, Schmidt, Forstinger, Reichhold waren einige zu kurz im Amt, um außer Unterlassungen weitere Fehler zu begehen. Sie wurden vom autodidakten Verkehrsexperten Fritz Gurgiser angelernt, der seinerseits ebenso wenig internationales Verständnis zusammenbrachte wie andere Umweltschützer. Die haben zwar gute Gründe gegen zu viel Verkehr und für den Alpenschutz, jedoch das alles von hier bis zu den Pyrenäen, wortreich aber wirkungslos, dafür im Einklang mit der Natur.
Die Fakten sind klar: Der Verkehr, den wir brauchen, wird zunehmen, doch dessen negative Auswirkungen müssen runter. Nachdem allen alles bekannt ist, könnte man die doppelten Spiele beenden, mit Ehrlich-und Sachlichkeit etwas Bewegung in die Verkehrspolitik bringen und der Wirtschaft klare Vorgaben vermitteln, auch ökologische.

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