"Kennt sich Gusenbauer in der Gesundheitspolitik wirklich aus?"

Ärztechef Dorner ist skeptisch und verweist auf ökonomische Verschreibweise - Seit Anfang 2002 in Wien in Kraft

Wien (OTS) - Der Wiener Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner zeigt sich äußerst verärgert über den Vorstoß von SP-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer, der mit Sanktionen gegen Ärztinnen und Ärzte vorgehen will, die "regelmäßig die teuersten Medikamente verschreiben". Dorner: "Gusenbauer scheint sich in der österreichischen Gesundheitspolitik nicht wirklich auszukennen, denn sonst würde er wissen, dass die niedergelassene Ärzteschaft in Wien bereits seit längerem dazu verpflichtet ist, das billigste Medikament (bei gleicher Wirkweise, Anm.) zu verschreiben."****

Die so genannte ökonomische Verschreibweise im Rahmen der Initiative "Arznei und Vernunft" gibt es in Wien seit Beginn 2002. Ärztinnen und Ärzte, deren Ordinationen mit EDV ausgestattet sind, sind dazu angehalten, mit dem Öko-Tool der Wiener Gebietskrankenkasse zu arbeiten, das anzeigt, welches Medikament das billigste ist. Dorner: "In der Bundeshauptstadt funktioniert das hervorragend und wird von der Kollegenschaft auch engagiert betrieben."

Die Politik zeige scheinbar erst jetzt ihr wahres Gesicht, denn Gusenbauer gehe es offensichtlich in erster Linie nicht um die Patienten, sondern nur um weitere Einsparungsvolumina, so Dorner weiter. "Wenn ein Arzt bereits dafür bestraft wird, seinen Beruf seriös und nach State of the Art auszuüben, dann herrschen in unserem Land Strukturen, gegen die ich mich im Namen der niedergelassenen Ärzteschaft vehement wehre."

Die österreichische Gesundheitspolitik benötige einen ausführlichen Plan, wie das System auf Dauer finanziert werden kann, und nicht jede Woche "eine neue Schnapsidee, die weder konstruktiv noch umsetzbar ist". Auch sei es nicht zielführend, für jeden neuen Vorschlag die Verantwortung auf andere Entscheidungsträger abzuwälzen. Eine Verhandlungsrunde mit allen Vertretern der Gesundheitspolitik sei längst überfällig.

Auch Ärztekammer-Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Johannes Steinhart, weist die Unterstellung, dass Ärztinnen und Ärzte zu teure Medikamente verschreiben, zurück. "Der SP-Vorsitzende soll mir einmal erklären, warum wir davon profitieren, einem Patienten ein teureres Medikament zu verschreiben. Wir sind dafür verantwortlich, unsere Patienten auf höchstem Niveau zu behandeln und wirtschaften nicht in die eigene Tasche, so Steinhart."

Beitragserhöhungen gefordert

Die Ärztekammer propagiert seit Jahren "den einzigen solidarisch vertretbaren Vorschlag zur Finanzierung des Gesundheitssystems", nämlich eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge für alle um beispielsweise durchschnittlich 10 Euro pro Monat. Ärztekammerchef Dorner dazu: "Sowohl weitere Selbstbehalte als auch zusätzliche Arztgebühren sind unsolidarisch und belasten nur Arme und Kranke. Ich plädiere dafür, endlich eine sachliche und konstruktive Diskussion über moderate Beitragserhöhungen zu führen, ohne Ärztinnen und Ärzte ständig in ihrer Berufsausübung zu behindern." (bb)

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