Handel klagt über "Kaufzurückhaltung" in Österreich

Einzelhandelsumsatz im ersten Halbjahr 2003 stagnierte real betrachtet - Lemler: "Sehr ernste Situation für den heimischen Handel" - Hoffen und Bangen für das zweite Halbjahr

Wien (PWK 508) - Als "sehr ernste Situation" bezeichnete Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, die Lage des österreichischen Einzelhandels heute, Donnerstag. Im Rahmen einer Pressekonferenz in der WKÖ wurden die Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung für den heimischen Einzelhandel im ersten Halbjahr 2003 vorgelegt. Entsprechende Zahlen präsentierte Peter Voithofer vom Institut "KMU Forschung Austria (KMFA)" (vormals "Österreichisches Institut für Gewerbe- und Handlesforschung", kurz IfGH). An der Konjunkturbeobachtung von KMFA nahmen cirka 14000 Outlets von rund 600 Unternehmen teil.

Im ersten Halbjahr 2003 verzeichnete der heimische Einzelhandel zwar ein nominelles Umsatzplus von 1,0 Prozent. "In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzuweisen, dass der Vergleichsmaßstab - das 1. Halbjahr 2002, also die ersten Monate nach der Euro-Umstellung - ein sehr bescheidener war", gibt Wirtschaftsforscher Voithofer zu bedenken. Real betrachtet, das heißt unter Berücksichtigung des Preiseffekts, stagnierte der Einzelhandelsumsatz (+ 0,3 %).

Die Kauflust der Österreicherinnen und Österreicher wurde u.a. durch die schwache gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung sowie Sondereinflüsse (Unsicherheit in Sachen Pensionssicherung, Selbstbehalte für ärztliche Behandlungen etc.) gedämpft. Bundesspartenobmann Lemler sprach in diesem Zusammenhang von einer "Kaufzurückhaltung". "Das", so Voithofer, "zeigt sich nicht zuletzt an der anhaltend rückläufigen Kundenfrequenz in den Geschäften: War diese bereits 2002 um insgesamt rund 3,6 Prozent gesunken, gab es in der ersten Hälfte dieses Jahres noch einmal ein Minus von 2,3 Prozent: Mit Ausnahme der größten Geschäfte, jene mit mehr als 4 Millionen Euro Jahresumsatz, war die Kundenfrequenz in allen Geschäftsgrößen, Unternehmensgrößen, Standortlagen und Vertriebsformen sinkend. "Insgesamt", so Lemler und Voithofer unisono, "spiegelt die Umsatzentwicklung eine schwierige erste Jahreshälfte 2003 wider."

Im Ranking der einzelnen Branchen liegt - wie bereits im ersten Quartal 2003 - der Sportartikelhandel mit einem nominellen Plus von 9,6  Prozent auch im ersten Halbjahr 2003 an der Spitze. Die Sportartikelhändler dürften somit das konjunkturelle Tief des Vorjahres überwunden haben. Im Lebensmittelhandel (+3,9 Prozent), Spielwarenhandel (+3,3 Prozent), Papier- und Buchhandel (+1,6 Prozent) sowie im Handel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf (+1,2 Prozent) war die Umsatzentwicklung ebenfalls positiv und besser als im Einzelhandel insgesamt. Alle anderen Branchen konnten das Umsatzergebnis des Vorjahres im Durchschnitt nicht erreichen. Besonders hoch war der Umsatzrückgang im Lederwarenhandel (-12,3 Prozent) und im Uhren- und Schmuckhandel (-5,5 Prozent). Weiters gilt es zu sagen, dass - während die Umsätze im Osten Österreichs stagnierten (+0,3 %) - das Ergebnis der westlichen und südlichen Bundesländer über dem Bundesdurchschnitt (nominell 1,7 % bzw. 1,3 %) lag.

Nicht wegzudiskutieren sei laut Interessenvertretung die ungebrochene volkswirtschaftliche Relevanz des Handels: "Auf den Handel entfallen 50 Prozent des Mehrwertsteuer-Gesamtaufkommens, das sind 7 Prozent der gesamten Staatseinnahmen". Der Handel erwirtschafte ein Fünftel des gesamten rot-weiß-roten Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Lemler wagt auch einen Ausblick auf das zweite Halbjahr 2003: "Wir erhoffen uns natürlich für die zweiten sechs Monate eine ähnliche Entwicklung wie in der ersten Jahreshälfte. Aber leicht wird es für den Handel nicht werden."

Gefragt zur aktuellen Debatte rund um die Ladenöffnungszeit in Österreich, konstatiert Lemler, "dass der Handel nicht gegen längere Öffnungszeiten mauert."
Enttäuscht zeigte er sich von Wien: "Erstens hat Wien keine Tourismusregelung, die das längere Offenhalten von Geschäften ermöglichen würde. Und zweitens hat der in der Bundeshauptstadt dafür zuständige Stadtrat so getan, als ob er für eine Liberalisierung der Öffnungszeiten wäre. Da sehe ich den derzeit vorliegenden Plan für Wien, nämlich nur an einem Wochentag länger offen zu halten, nicht als echte Reform." (JR)

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