Gesundheit: Lackner kritisiert "Scheinheiligkeit" Wanecks: "FPÖ und ÖVP haben gerade generelle Selbstbehalte beschlossen"

"Schüssel beginnt Reformdialog mit gefährlicher Drohung"

Wien (SK) "Scheinheilig" ist Gesundheitsstaatssekretär Waneck in den Augen von SPÖ-Gesundheitssprecher Manfred Lackner. Mit seiner gestrigen Beteuerung, er sei gegen Selbstbehalte, versuche Waneck wohl die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. "FPÖ und ÖVP haben ja erst vor wenigen Wochen im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes die Einführung genereller Selbstbehalte beim Arztbesuch ab dem Jahr 2005 beschlossen. Sich dann jetzt hinzustellen und zu erzählen, man sei gegen Selbstbehalte ist zumindest frech", sagte Lackner am Donnerstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

Der SPÖ-Gesundheitssprecher unterstrich, dass Selbstbehalte vollkommen ungeeignet seien, um das Gesundheitssystem abzusichern. Eine gefährliche Drohung sieht Lackner zudem in den Aussagen von Kanzler Schüssel, der in "News" lapidar ankündigt, die Gesundheit werde "für jeden ein bisschen teurer werden". "Das ist die falsche Art, den Reformdialog zu eröffnen", so Lackner. Es sei völlig inakzeptabel, schon wieder als erstes die Patienten zur Kasse zu bitten. Im bestehenden System gebe es "ein riesiges Einsparungspotenzial, das es zu nutzen gilt - "nicht nur bei den Medikamenten, sondern auch bei den Akutbetten", so Lackner. Das Ausnutzen dieses riesigen Sparpotenzials müsse an den Beginn einer großen Gesamtreform gestellt werden.

Die SPÖ werde sich ernsthaft und konstruktiv in den Reformdialog über die Gesundheitsreform einbringen und ein neues umfassendes gesundheitspolitisches Konzept für eine große Gesamtreform vorlegen, kündigte Lackner an. Denn es wäre jetzt völlig falsch, "mit Einzelmaßnahmen, wie der Streichung von Krankenhausbetten, ein Flickwerk zu betreiben". Vonnöten wäre eine umfassende Strukturreform des Gesundheitssystems zur Sicherung der Qualität und für die langfristige Finanzierbarkeit.

Wie SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer spricht sich auch Lackner für eine neue Verschreibepraxis bei den Medikamenten aus. Die Summe, die allein durch den verstärkten Einsatz von Generika eingespart werden könnte, sei enorm. Allerdings müsste der Hebel bereits in den Krankenhäusern angesetzt werden. Denn jene Medikamente, die der Patient zuerst im Krankenhaus erhält, würde ihm in der Regel nach der Entlassung vom niedergelassenen Arzt weiter verschrieben, sagte Lackner. Die Abgabequote von Generica liegt in Österreich bei knapp sechs Prozent und ist damit eine der niedrigsten in der EU. Deutschland hat einen Anteil von 30 Prozent Generica. Behauptungen, wonach der vermehrte Einsatz von Generika den Patienten zum Nachteil gereichen würden, seien zwar "aus Sicht der milliarden-schweren Pharmaindustrie verständlich, aber - wie alle Untersuchungen belegen - in keinster Weise richtig", so Lackner abschließend. (Schluss) ml

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