ÖÄK zu Ärzte-Sanktionsplan: "Blinde Sparwut" auf dem Rücken der Patienten

Brettenthaler: Gusenbauer soll sagen, wer was nicht mehr bekommen darf - Bereitschaft zu breitem Dialog begrüßt - Ziele in den Vordergrund stellen

Wien (OTS) - Scharfe Kritik kommt aus der Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) zum SPÖ-Plan, Sanktionen gegen Ärzte zu verhängen, die angeblich zu teuer verschreiben. Das SPÖ-Ansinnen sei "völlig überzogen, medizinisch kontraproduktiv und patientenfeindlich", kritisierte ÖÄK-Präsident Dr. Reiner Brettenthaler Donnerstag in einer Aussendung. Brettenthaler: "Was verschrieben wird, hängt von der Erkrankung des Patienten ab und ist ausschließlich Sache des Arztes und nicht einiger Buchhalter in den Sozialversicherungen. Wir werden jetzt und auch in Zukunft sicher nichts tun, was Patienteninteressen widerspricht."

Es sei eine "bodenlose Infamie", Ärzten bei der Verschreibung von Medikamenten ökonomischen Eigennutz zu unterstellen, betonte Brettenthaler, da sie keinen finanziellen Vorteil daraus hätten." Eine Medikation erfolgt im Interesse der Gesundheit und des Wohles der Patienten. Wer an dieser Praxis mit Sanktionen rühren will, nimmt damit einen Schaden für die Patienten mutwillig in Kauf. Offensichtliches Motto: Und bist du nicht billig, so brauch' ich Gewalt", warnte Brettenthaler. An die Politiker appellierte der Ärztepräsident, nicht in "blinder Sparwut" die sozialen und ideellen Prinzipien des österreichischen Gesundheitssystems aufs Spiel zu setzen. Eine unverrückbare Säule sei dabei der Arzt, der im Interesse der Menschen und nicht im Auftrag der Politik oder der Gesundheitsbürokratie zu agieren habe. Brettenthaler: "In diesem Sinne fordere ich den SP-Vorsitzenden auf, Klartext zu reden und den Patienten zu sagen, was zu teuer ist, und wer was nicht mehr bekommen soll."

Positiv vermerkt der Kammerpräsident den Vorschlag Bundeskanzler Schüssels zu einer breiten, konsensualen Vorgangsweise bei der anstehenden Gesundheitsreform. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, die Ziele und Inhalte, somit auch die Funktion des österreichischen Systems zu definieren und erst danach finanzielle Schlussforderungen zu ziehen, so Brettenthaler. "Die gegenwärtige öffentliche Diskussion ist völlig ungeordnet, geht prinzipiell von der falschen, weil nur ökonomischen Seite aus, und läuft folglich Gefahr, in der Sackgasse zu landen," warnte Brettenthaler. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Ärztekammer
Pressestelle
Tel.: 01/512 44 86

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0001