Intensive Vorbereitung auf klimapolitische Weichenstellungen

Schwarzer: "Keine Stop-Tafeln, sondern intensive Mitarbeit bei allen Initiativen zur Lösung der CO2-Problematik" - Klaus Woltron erwartet tiefer greifende Veränderungen als erwartet

Wien (PWK499) - Die Wirtschaftskammer Österreich tritt mit Nachdruck für eine standortverträgliche Umsetzung der Klimaschutzverpflichtungen gemäß dem Kyoto-Protokoll ein. Das ambitionierte Kyoto-Ziel (13 Prozent weniger CO2-Emissionen bezogen auf 1990) ist nur dann zu erreichen, wenn alle Bereiche, insbesondere Haushalte, Kleinverbraucher und Verkehr, ihre Reduktionspotenziale realisieren und umgehend wirksame Programme starten. Bei der Industrie selbst lassen sich nur noch ein bis zwei Prozent der CO2-Emissionen mit betriebswirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen reduzieren. "Alle anderen Maßnahmen ziehen derart unerschwingliche Kosten nach sich, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industriestandorte gefährden", erklärte der Leiter Abteilung für Umwelt-, Energie- und Infrastrukturpolitik, Doz. Stephan Schwarzer, am Freitag in einem Pressegespräch zu aktuellen Fragen der Klimapolitik.

Schon im Herbst d.J. werden die Verhandlungen über die Zuteilung von Emissionsrechten an die Unternehmen in die "heiße Phase" eintreten. Gleichzeitig gibt eine Novelle zum Umweltförderungsgesetz grünes Licht für den Ankauf von Emissionsrechten im Zusammenhang mit Klimaschutzprojekten im Ausland.

Entscheidend für die Industrie sei es, nicht schlechter als die Konkurrenz im europäischen Umfeld behandelt zu werden, da sonst massive Standortverlagerungen ins Ausland vorprogrammiert wären. "Es darf nicht sein, dass rationell geführte österreichische Betriebe trotz niedriger CO2-Emissionen kostspielige weitere Investitionen durchführen müssen, während sich die ausländische Konkurrenz über großzügige Emissionspolster freuen kann", betont Schwarzer.

"Wir wollen aber keinesfalls nur Stop-Tafeln aufstellen, sondern kreativ an der Lösung der CO2-Problematik mitwirken", unterstreicht der WKÖ-Umweltexperte. Im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe plädiert Schwarzer für eine Energieeffizienz-Offensive. Dabei sollen "Best Practice"-Beispiele zum allgemeinen Branchenstandard werden. Im Verkehr sollen Biotreibstoffe und der Einsatz gasbetriebener Fahrzeuge gefördert werden. Und im Haushaltsbereich gilt es, die Heizungseffizienz zu verbessern, erneuerbare Energieträger sinnvoll einzusetzen und die Gewinnung von Fernwärme zu intensivieren.

All diese Maßnahmen bedürfen der Ergänzung durch klimaschutzrelevante Projekte im Ausland. Im Ausland habe bereits ein "Run" auf Klimaschutzprojekte eingesetzt. "Wir dürfen mit unseren Angeboten nicht zu spät kommen", warnt Schwarzer: "Schaffen wir es nicht, ausreichend Emissionsgutschriften aus Auslands-Projekten zu erwerben, so bliebe Österreich nichts anderes übrig, als mit dem Einkaufskorb durch Osteuropa zu fahren und dort hunderte Millionen Euro für den Ankauf von Emissionsrechten auszugeben".

"Wirtschaftspolitik = Klimapolitik = Umweltpolitik", unterstrich Wirtschaftsberater und Buchautor Klaus Woltron als Gast auf der Pressekonferenz die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aller Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Er selbst, so Woltron, sei in diesen Fragen ein "skeptischer Optimist". Alle jetzt anlaufenden und schon angelaufenen Projekte würden größere Effekte haben, als man derzeit denkt. Es sei deshalb wichtig, sich jetzt schon intensiv auf die kommenden Entwicklungen einzustellen. Woltron empfielt, in den Firmen verantwortliche Arbeitskreise einzurichten, die sich "interdisziplinär und integriert" mit Fragen des Klimaschutzes befassen: "Das ist nicht nur eine Sache der Umweltbeauftragten alleine". Die Emissionsgesetze, so Woltron weiter, "kommen bestimmt und werden schneller, als man meint, die neuen Terms of Trade beeinflussen. Wer aktiv handelt, wird zu den Gewinnern zählen".

Bereits jetzt kann die österreichische Wirtschaft auf vielfältige Klimaschutzinitiativen verweisen. So hat die WKÖ als Europa-Premiere im ersten Halbjahr 2003 bereits zwei Lehrgänge für industrielle CO2-Manager durchgeführt. Heuer folgt noch ein weiterer Durchgang. Für 2004 sind zwei weitere Kurse geplant. "In Summe sollen die Kaderschmieden mehr als einhundert CO2-Manager ausbilden", fasste Schwarzer zusammen.

Im Jänner 2004 startet die WKÖ ebenfalls europaweit erstmals den Lehrgang "Europäischer Energiemanager". Diese Manager sollen helfen, pro Betrieb Einsparungen von rund 50.000 GWh pro Jahr zu erzielen. Neben der erwähnten Energiesparoffensive für KMU gibt es Klimaschutzinitiativen der Mineralölwirtschaft und der Bauwirtschaft ("klima:aktiv"). Schließlich hat die WKÖ im Oktober eine Plattform für erneuerbare Energien ("Dachverband Energie - Klima" in der WKÖ) gegründet, zu deren Aufgaben es zählt, die einschlägigen Marktchancen der heimischen Betriebe im In- und Ausland zu nutzen und zu verbessern. (hp).

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