British Medical Journal kritisiert Verquickung Ärzte-Pharma: "No more free lunches"

Linz (OTS) - Äußerst kritisch hat sich in seiner Ende Mai erschienen Ausgabe das British Medical Journal (BMJ) mit den Verflechtungen zwischen Ärzten und Pharma-Wirtschaft auseinander gesetzt. Der Tenor "No more free lunches" könnte auch in Österreich zu einer Handlungsmaxime werden. Zum Wohl der Patienten und aller Financiers des Gesundheitswesens. Die OÖ Gebietskrankenkasse fordert in diesem Zusammenhang schärfere gesetzliche Regelungen, vor allem eine Offenlegungspflicht für alle Marketingausgaben zu Gunsten von Vertragspartnern der Krankenkassen.

Auf mehr als 50 Seiten beschäftigt sich die angesehene Fachzeitschrift mit den mannigfachen Verquickungen zwischen Ärzten und der Pharma-Industrie und listet nicht weniger als 16 verschiedene Wege auf, mit denen seitens der Medikamenten-Hersteller versucht wird, das Verschreibeverhalten der Ärzte zu beeinflussen. Vom Kugelschreiber und Schreibblock bis zum festlichen Bankett oder einem mehrtägigen Kongressaufenthalt in einem Luxushotel.

Dass sich der Mitteleinsatz lohnt, hat eine britische Untersuchung gezeigt: Je mehr Kontakt ein Arzt mit Pharma-Vertretern hat, desto williger verschreibt er die beworbenen Medikamente, und desto schwerer fällt es ihm, Patienten ohne Rezept zu entlassen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit verschrieben werden, steigt bei Ärzten messbar an, je besser sie durch die Pharmaindustrie betreut werden. Befund des British Medical Journal: "Ärzte und Pharma-Firmen müssen zusammen arbeiten, aber Ärzte müssen von ihnen nicht zu Banketten und auf luxuriöse Reisen eingeladen und in den besten Hotels untergebracht werden. Sowohl Ärzte als auch Pharma-Firmen wissen, dass an ihrer Beziehung irgendetwas ungesund ist, scheinen aber unfähig das zu beenden." Mehr Distanz zwischen Ärzten und dem Pharma-Bereich käme allen zugute, vor allem aber den Patienten, meinen die Experten des Fachjournals.

Aber auch die Kollegen aus der medizinischen Fachpresse sowie die Autoren von Studien werden kritisch beleuchtet. Ein - wenig überraschendes - Ergebnis der Untersuchungen des BMJ ist, dass von der Pharmawirtschaft selbst finanzierte Wirksamkeitsstudien sehr oft das vom Auftraggeber gewünschte Ergebnis zeigten. In vielen Fällen wurde auch bemängelt, dass die finanzielle Förderung der Studien nicht transparent gemacht wurde.

Erste Ansätze zu einer Entflechtung gibt es bereits, wie das British Medical Journal berichtet. So werde an der Universität von Kalifornien bereits erwogen, die von der Pharma-Industrie gesponserten Essen nicht mehr anzunehmen. Und für Medizinstudenten soll ein überarbeiteter hippokratischer Eid eingeführt werden, der die Annahme von Geld und anderen Geschenken aber auch Einladungen von Pharma-Firmen verbietet. Das British Medical Journal: "Das sind Schritte, denen die Mediziner weltweit folgen sollten."

Freiwillige Selbstbeschränkungen bei der Geschenkannahme sind aus Sicht der OÖGKK nicht ausreichend. Deshalb fordert sie schärfere gesetzliche Regelungen. So soll die Pharma-Branche verpflichtet werden, alle ihre Marketingausgaben für Vertragspartner der Krankenkassen offen zu legen. Auch die Förderungen von Studien bei öffentlichen Krankenanstalten und Vertragspartnern sollen verpflichtend veröffentlicht werden. Damit könnte Transparenz in einem Graubereich geschaffen und die Krankenkassen und ihre Beitragszahler finanziell entlastet werden. Denn so würde genug finanzieller Spielraum für eine Preissenkung bei Medikamenten entstehen. Und das könnte eine Alternative zu Selbstbehalten darstellen.

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