"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die Olympiakarte" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 25. Juli 2003

Innsbruck (OTS) -

Olympia, Nordkettenbahn und Wahlkampf - an sich eine höchst explosive Mischung. Die Olympiabewerbung ist ein

Spalter, die geplante Nordkettenbahn ebenfalls. Das musste LH Herwig van Staa schon in seiner Amtszeit als Innsbrucker Bürgermeister erkennen. Die Bewerbung für die Winterspiele 2006 und die "Golden Line" auf die Nordkette waren nicht durchsetzbar, nicht einmal für den großen Herwig.
Dass sich der Innsbrucker Gemeinderat gerade in der Intensivphase des Landtagswahlkampfs am 11. September mit Olympia und der Nordkettenbahn beschäftigt, grenzt entweder an Masochismus oder ist einfach taktisches Kalkül. Wahrscheinlich pure Absicht, weil der Schatten von Herwig van Staa nach wie vor vom Landhaus ins Bürgermeisterzimmer von Hilde Zach reicht.
Für van Staa eröffnet sich die Möglichkeit, zwei Scharten, die ihn einst tief getroffen haben, noch vor der Wahl auszuwetzen. Nach der negativen Olympia-Volksbefragung 1997 in Innsbruck dachte er sogar an Rücktritt, die Debatte um die "Golden Line" führte zur Rückgabe der desolaten Nordkettenbahn an die Stadt. Den Doppelpass mit Zach möchte der Landeschef wohl auch dafür nützen, um wenige Wochen vor seiner ersten Landtagswahl sein Profil als Macher zu stärken.
Zach kann ebenfalls profitieren, vor allem bei der in ihren Reihen und in der Innsbrucker VP umstrittenen Variante einer zentrumsnahen Anbindung der Nordkettenbahn. Denn wer will im Wahlkampf schon intern streiten, steht doch die Tiroler ÖVP vor ihrem größten Triumph seit 20 Jahren. So gesehen wurde der Termin für den Sondergemeinderat geschickt gewählt.
Van Staas Stärke liegt in der Zuspitzung, im Polarisieren von Standpunkten. Olympia und Hungerburgbahn sind emotionale Bauchthemen, weshalb er damit ein nicht unerhebliches Risiko eingeht. Aber gerade der Landeshauptmann weiß, dass sich auch in der Politik Vermarktung nicht im Kopf abspielt.

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