"Die Presse" - Kommentar: "Schrebergartenland" von Andreas Unterberger

Ausgabe vom 25.7.2003

Wien (OTS) - Sie haben noch immer nichts begriffen. Von Burgenland bis Wien, von Kärnten bis Tirol: Überall haben sich angsterfüllte Strukturkonservative, nicht-über-den-eigenen-Schrebergarten-Hinausblickende und es eigentlich besser wissende Populisten durchgesetzt. Nur keine Geschäfte länger aufsperren! Nur nicht Dienstleistung als Dienst am Kunden oder gar Touristen ansehen! Nur nicht einige beim Shopping ausgegebene Euros aus Ödenburg oder Freilassing zurücklocken! Nur nichts für zusätzliche Arbeitsplätze (oder Sicherung bestehender) tun!
Anschaulicher als bei dieser akkumulierten Provinzgroteske Ladenöffnungszeit könnte Österreichs lebensgefährliche Zukunftsverweigerung gar nicht dargestellt werden. Dabei ist das, was die Bundesregierung den Ländern als Rahmen vorgab, ohnedies im Europavergleich schon rückständig und illiberal. Aber mit der lobenswerten Ausnahme des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll - und nicht einmal der traut sich, die erlaubte Öffnungszeit von 66 auf die möglichen 72 Stunden auszudehnen -glauben alle Länder, dass sich die Kunden nach der Wirtschaft (genauer gesagt: Gewerkschaft) und nicht die "Sozialpartner" nach den Kunden zu orientieren haben. Mit genau den gleichen lächerlichen Argumenten, mit denen sie uns vor ein paar Jahren einreden wollten, dass niemand am Samstagnachmittag einkaufen will.
Das Schrebergartenland kann sich nun neben den vielen kleinen Föderalismus-Zwergen auch die vielen kleinen Verkäuferinnen aufstellen, die da von irgendwelchen Funktionären "geschützt" ihre Jobs ans Ausland verloren haben.

Andreas.Unterberger@diepresse.com

Ladenschluss: Der angebliche Schutz für die kleinen Verkäuferinnen bedroht deren Jobs.

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