ÖGB-Ledwinka: Regierung muss aktiv Gleichstellungspolitik betreiben

Fordern verbindliche Zusage zur Einhaltung des Verfassungsgesetzes über die Angleichung des Pensionsantrittsalters

Wien (ÖGB). "Für eine vorzeitige Anhebung des Pensionsantrittsalters der Frauen gibt es keinen Grund. Das Gleichbehandlungspaket von 1992 ist nach wie vor nicht erfüllt, Frauen müssen auf dem Arbeitsmarkt noch immer vielfältige Benachteiligungen in Kauf nehmen", sagte ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka heute im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Frauenpensionsalter. Trotz
rechtlicher Verankerung des Grundsatzes "gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" sei es nicht gelungen, die Einkommensschere zu schließen. Dringenden Handlungsbedarf ortete Ledwinka auch beim Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und bei der Setzung von Anreizen für Väter, damit diese ihren Teil der Betreuungsarbeit übernehmen. ++++

Männer starten schon mit einem höheren Einkommen in das Berufsleben und die Schere nimmt im Lauf der Jahre weiter zu. "Bei Frauen ab 30 sinkt das Einkommen im ArbeiterInnen- und Angestelltenbereich auf ca. die Hälfte des Verdienstes der Männer ab", berichtete Ledwinka. Dies sei vor allem auch Folge davon, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes hierzulande meist auf Teilzeit umsteigen. "Es fehlen die Rahmenbedingungen, um Vollzeit zu arbeiten. Die Mehrheit der unselbständig beschäftigten Frauen mit Kindern unter 15 Jahren arbeitet bereits Teilzeit", sagte Ledwinka. Zum Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen komme zusätzlich, dass in typischen "Frauenbranchen" wie dem Handel fast nur mehr Teilzeitjobs oder eine geringfügige Beschäftigung zu finden seien, berichtete die ÖGB-Frauensekretärin.

Anstatt Anreize für eine partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit zu setzen, habe die Regierung mit Einführung des Kindergeldes den Kündigungsschutz für Väter in Karenz verschlechtert. "Während bei uns gerade zwei Prozent der Väter in Karenz gehen, sind es in Norwegen an die 70 Prozent", forderte Ledwinka die Schaffung einer flexibleren Karenzregelung. Der Kündigungsschutz für den zweiten Elternteil sei zu stärken, die Zuverdienstgrenze beim Kindergeld müsse angehoben werden, so die Frauensekretärin.

Ledwinka forderte die Regierung auf, eine aktive Politik der Frauenförderung und Gleichstellung zu betreiben anstatt eine vorzeitige Anhebung des Pensionsantrittsalters der Frauen zu erwägen. "Die Vergabe öffentlicher Aufträge muss an betriebliche Frauenförderpläne gekoppelt werden, die Kinderbetreuungseinrichtungen müssen ausgebaut werden, alle atypisch Beschäftigten müssen in den vollen Schutz des Arbeits- und Sozialrechts eingebunden werden und wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Teilzeit mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeit für Mütter und für Väter", nannte Ledwinka einige der Hauptforderungen der ÖGB-Frauen. (mfr)

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