ÖÄK zu Spitalsdiskussion: "Nur Schließen ist zu wenig"

Brettenthaler: Schließen von Spitalseinrichtungen setzt Alternativen voraus - Angestellte Ärzte warnen vor Zerschlagung gewachsener Strukturen

Wien (OTS) - In der anhaltenden Diskussion um das Schließen von Spitalseinrichtungen hat sich die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) zu Wort gemeldet. Das Zusperren ganzer Abteilungen oder gar Spitäler sei unmöglich, wenn nicht zuvor Alternativen für die betroffenen Patienten aufgebaut würden, warnten der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, und der Bundesobmann der Angestellten Ärzte, Dr. Harald Mayer, in einer Aussendung am Donnerstag. Andernfalls könnten problematische Versorgungsengpässe entstehen. "Wer medizinische Anlaufstellen im Spital streichen will, muss dafür sorgen, dass die Patienten im niedergelassenen Bereich mindestens ebenso gut betreut werden", kritisierte Brettenthaler. Dafür sei allerdings der Auf- und Ausbau von arbeitsteiligen, kooperativen Strukturen wie Ärztezentren, Gruppenpraxen und Gesundheitssprengeln notwendig.

"Leider ist in den praxisfernen Vorschlägen selbst ernannter Experten davon bislang überhaupt keine Rede, sondern es scheint lediglich um ein Zurückfahren und Rationieren von Leistungen zu gehen", warnte Brettenthaler. Die Patienten würden auf diese Weise unnötig verunsichert. Es spreche nichts dagegen, Umwidmungen von Akut- in Pflegebetten durchzuführen, da dies dem wachsenden Bedarf der einer alternden Bevölkerung entgegenkomme. Auch könne langfristig über stärkere Kooperation von Spitälern und Schwerpunktsetzungen diskutiert werden.

"Wer jedoch undifferenziert nur vom 'Schließen' und 'Abspecken' phantasiert, hat keine Ahnung von den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen und disqualifiziert sich als ernst zu nehmende Reformkraft", ergänzte der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Dr. Harald Mayer. Die Gesundheitspolitik sei gut beraten, nicht Bürokraten und sogenannten Ökonomen das Feld zu überlassen, sondern müsse sich bei geplanten Reformen von medizinisch-inhaltlichen Überlegungen leiten lassen.

Mayer warnte davor, "durch Radikal-Kuren nach dem Motto 'Der Speck muss weg' gewachsene Strukturen in den Spitälern zu zerstören." Gerade in ländlichen strukturschwachen Regionen seien Spitäler unverzichtbare Betreuungsinstanzen. Ein Strukturwandel in den Spitälern könne nur langfristig unter Bedachtnahme der veränderten Bedürfnisse und demografischer und epidemiologischer Entwicklungen erfolgen. Für Schnellschüsse und Kahlschlag-Aktionen sei in einem sensiblen Feld wie dem Gesundheitssystem kein Platz. (Schluss)

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