"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Voest-Chef hat nicht nur sich selbst massiv geschadet" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 24.07.2003

Graz (OTS) - Der umstrittene Aktienkauf könnte nachhaltige Folgen haben.

Als im vergangenen Oktober der österreichische Corporate Governance-Kodex, eine Art Knigge für börsennotierte Unternehmen, eingeführt wurde, verfiel man an der Wiener Börse geradezu in Schwelgereien. Von neuer Transparenz und Fairness war die Rede, künftig werde es Insidern mit diesem (freiwilligen) Kodex u.a. viel schwerer fallen, sich an der Börse die Rosinen herauszupicken.

Auch die Voestalpine will sich, liest man im druckfrischen Geschäftsbericht 2002/2003, im laufenden Geschäftsjahr dem Börsen-Knigge unterwerfen. Meldungen über Aktienkäufe von Vorstandsmitgliedern würden aber nicht auf der Webseite der Gesellschaft bekannt gegeben, "Meldungen an die Finanzmarktaufsicht werden als ausreichend erachtet".

Das betrifft wie gesagt das laufende und nicht das vergangene Jahr und ist daher ein Glücksfall für Franz Struzl. Denn bekanntlich hat der Chef der Voestalpine vor ziemlich genau einem Jahr ein dickes Aktienpaket der Voest-Tochter VAE gekauft und es einfach vergessen, diese Tatsache der Finanzmarktaufsicht rechtzeitig zu melden.

Intern, nach dem eigenen "Ehrenkodex", ist Struzl damit aus dem Schneider, und auch strafrechtlich bleibt nichts hängen. Die 250.000 Euro, die er beim VAE-Deal verdient hat, sind an die Krebshilfe gegangen, ein Insiderverfahren wurde eingestellt.

Damit sind die wenn man so will positiven Aspekte aber auch
schon abgehakt. Was bleibt, ist der überaus schale Beigeschmack, dass der Voest-General vielleicht kein Gesetz gebrochen, sich aber mehr als ungeschickt verhalten hat. Zu behaupten, er habe zum Zeitpunkt seines Aktienkaufs nichts von der wenige Tage später erfolgten totalen Übernahme der VAE durch die Voest-alpine gewusst, kommt einer Verhöhnung gleich, sein trotzig hinausposauntes "Ich werde natürlich nicht zurücktreten zeigt nicht Stärke, sondern Schwäche.

Struzl ist angeschlagen. Auch wenn man seine Spende an die Krebshilfe nicht als Schuldeingeständnis wertet, steht der Aktienkauf immer noch als riesengroße Dummheit da, die nun durch eine Indiskretion ans Tageslicht geraten ist.

Spekulationen anzustellen, hinter der Indiskretion könnte die ÖIAG oder gar das Finanzministerium stecken, ist müßig. Im Hinblick auf die Übernahmeschlacht um die Voestalpine ist Struzl als "frontman" einer Österreich-Lösung allerdings nur noch bedingt einsetzbar. An seinen uneigennützigen Einsatz kann man jetzt nicht mehr so recht glauben. Leider. ****

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