"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein Armutszeugnis" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.07.2003

Wien (OTS) - Zwei Regierungsmitglieder und der Wirtschaftskammerpräsident sind gestern gemeinsam angetreten, um scheinbar Großes anzukündigen. Was Gehrer, Bartenstein und Leitl präsentierten, ist aber eher ein Armutszeugnis als der Startschuss zu einer wirtschaftlichen Bildungsoffensive.
Obwohl das Wirtschaftswissen in Österreich erbärmlich gering ist, werden nicht etwa die Lehrpläne schleunigst modernisiert. Nein, ab Herbst werden sich ganze 20 Schulen in Österreich an einem Pilotprojekt beteiligen. Alle Schüler(innen), die vier Module absolvieren (und insgesamt 60 Euro Prüfungsgebühren berappen), erhalten einen "Unternehmerführerschein".
Die Bildungsministerin musste nachher zugeben, dass sie gar nicht wusste, welche Schulen die Wirtschaftskammer zur Teilnahme ausgewählt hatte. Sonst wäre vielleicht auch eine Vorarlberger Bildungsstätte mit von der Partie gewesen. Außerdem werden die Lehrpläne nicht erweitert, sondern es werden nur längst vorhandene Ausbildungsangebote medienwirksam zusammengefasst.
Auf diese Weise wird die Wissenslücke nicht geschlossen werden können. Aber vielleicht ist das unseren Ministern gar nicht so unangenehm: Wer sich in wirtschaftlichen Belangen halbwegs gut auskennt, entlarvt viele großsprecherische Ankündigungen unserer Minister - von der Steuerreform bis zur Förderung von Alternativenergien - nur allzu leicht als ökonomischen oder ökologischen Schmäh. Und das wäre nicht im Sinne der Regierung.

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