Gute Freunde sind besser als freie Märkte

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Martin Rümmele

Wien (OTS) - Wie war das doch mit der freien Marktwirtschaft? Sie soll dann funktionieren, wenn alle Marktteilnehmer die gleiche Information haben, frei entscheiden können und für alle die gleichen Regeln gelten. Ob das überall funktioniert, ist umstritten. Die aktuellen Debatten zeigen jedenfalls, dass wir in Österreich trotz vollmundiger Bekenntnisse der Politiker weit davon entfernt sind. In der Realität versuchen alle Beteiligten, ihre Gegner zu übervorteilen oder/und die Öffentlichkeit und das System auszutricksen.

Den Anfang macht, frei nach dem Motto, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt, Oberliberalisierer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Abgesehen von seinen Steuertricks ist vor allem die Optik im Fall der Voest-Privatisierung nicht besonders gut. Da sitzt der grösste Kaufinteressent, Magna-Vizeboss Siegfried Wolff, im Aufsichtsrat des Verkäufers, KHG darf wahrscheinlich trotz Verzicht auf sein Rückkehrrecht zu Magna zurück, und Voest-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher wohnt luxuriös im Fontana-Park von Magna-Oberboss Frank Stronach. Wir lernen: Gute Freunde sind besser als freie Märkte.

Voest-Chef Franz Struzl soll Insiderwissen genutzt haben, um an der VAE-Übernahme persönlich mitzuschneiden. Wie das rechtlich ist, sei hier dahingestellt. Wir lernen: Informationsvorsprung ist besser als freie Märkte.

Im Gesundheitswesen wiederum tritt gerade der Ökonom Christian Köck eine Debatte über Einsparungen im Spitalsbereich los. Gleichzeitig bewirbt er sich mit seinem Freund, dem liberalen Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner um den Kauf oder zumindest das Management jedes Krankenhauses, das irgendwo in Österreich von Kommunen abgegeben wird.

Jüngster Fall: Die Teilprivatisierung des steirischen Spitalkonzerns Kages. Das Unternehmen hat wie berichtet 16.000 Mitarbeiter und soll ein privates Management bekommen. Die Idee hatte Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Voves (SP). Er kommt aus der Merkur-Versicherung und die hält Anteile an der Privatspitalgruppe Humanomed, die sich - erraten - auch um den Auftrag bewirbt. Egal, ob Köck oder Humanomed die Ausschreibung gewinnt, wir lernen:
Informationsvorsprung und gute Freunde sind besser als freie Märkte. Und: Regeln sind etwas für Dumme. Wer genug Grips hat, weiss wie er sie - möglichst legal natürlich - umgehen kann.

Seien wir ehrlich: Eigentlich würden wir das alle gern tun. Deshalb finden wir die besten Trickser irgendwie cool. Und deshalb lassen wir sie auch künftig tun, was immer sie wollen.

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