ÖGJ: Neben Qualität der Lehre muss auch Lehrstellenmangel ein Thema sein

Die Modernisierung der Berufsausbildung ist wichtig, schafft aber keine dringend benötigten neuen Lehrstellen.

Wien (ÖGJ/ÖGB). Es ist löblich, dass sich die MinisterInnen Martin Bartenstein und Elisabeth Gehrer sowie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl Gedanken zur Lehrlingsausbildung machen. "Was hier als neueste Idee der Regierung dargestellt wurde, ist in Wirklichkeit allerdings ein Projekt der Sozialpartner. Über die konkrete Umsetzung wird längst verhandelt", zeigt sich der Bundesvorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Eder, verwundert über das Timing der ÖVP. ++++

Das Sozialpartner-Modell, das die Lehrzeit im Wesentlichen in ein 2-jähriges Grundlagenmodul und ein anschließendes Wahlpflichtmodul zur Spezialisierung der Lehrlinge aufteilt, kann prinzipiell ein Weg sein. Die Tücke liegt jedoch im Detail der Umsetzung. "Die Reform darf nicht zur Verkürzung der Lehrzeit missbraucht werden", fordert Eder, denn das würde die Qualität der Ausbildung massiv senken. Die Lehrlinge müssten außerdem schon am Beginn ihrer Lehrzeit wissen, welche Spezialisierungs-Module ihnen in ihrem Betrieb angeboten werden und wie lange die Lehre insgesamt dauern wird. "Die Dauer und der Inhalt der Ausbildung muss weiterhin von den Sozialpartnern gemeinsam erarbeitet werden und nicht von der Wirtschaft alleine", fasst Eder zusammen.

Denn die Qualität der Lehrlingsausbildung muss unbedingt weiter gehoben werden, um den Produktionsstandort Österreich zu sichern. Zusätzlich müsse aber auch die notwendige Quantität der Lehrstellen gegeben sein. Jürgen Eder: "Im Herbst werden wieder Tausende Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen. Von einer Modernisierung haben diese Menschen gar nichts." Viel zu wenige Betriebe nehmen Lehrlinge auf, daran konnte auch die praktizierte Gießkannenförderung ohne Qualifizierungsmaßnahmen für Ausbildner nichts ändern. "Deshalb werden wir an einem finanziellen Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Unternehmen nicht vorbeikommen. Das Vorarlberger Modell soll dabei als Vorbild dienen", schließt der ÖGJ-Vorsitzende. (fk)

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