Greenpeace: Fischlers Leitlinien weisen Weg zu Gentech-Verunreinigungen

Notwendigkeit regionaler Maßnahmen erstmals anerkannt Wien (OTS) - Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert die Leitlinien zur Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik, die EU-Kommissar Fischler heute Nachmittag vorstellen wird. In dem bislang unveröffentlichten Dokument fordert Fischler, dass in Bio-Produkten Verunreinigungen bis 0,9 Prozent toleriert werden sollen. In Österreich liegt die Obergrenze derzeit bei 0,1 Prozent. Sogar Saatgut soll in Zukunft verunreinigt sein dürfen, womit die wichtigste Grundlage für Gentechnik-freie Produktion verloren ginge. "Fischler bietet mit seinen Leitlinien kaum Lösungen, sondern ein Sammelsurium an wenigen sinnvollen und vielen kontraproduktiven Maßnahmen", analysiert Thomas Fertl, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Greenpeace fordert die zuständigen Minister Rauch-Kallat und Pröll auf, die Empfehlungen nicht zu akzeptieren und bis zu einer EU-weiten Regelung umfangreiche Schutzmaßnahmen gegen gentechnische Verunreinigungen in Österreich zu verankern.", so Fertl.

Grundlage für Fischlers Leitlinien war die Entscheidung, dass das Koexistenz-Problem nicht EU-weit geregelt werden soll. Durch eine Abänderung des EU-Gentechnikrechts wurde den Mitgliedstaaten die Kompetenz gegeben, Maßnahmen gegen gentechnische Verunreinigungen zu setzen. Die Koexistenz-Leitlinien haben also den Status von Empfehlungen, ohne rechtliche Verbindlichkeit. "Anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, Saatgut und Bioprodukte Gentechnik-frei zu halten, empfiehlt Fischler sehr hohe Toleranzwerte für Verunreinigungen - das ist der falsche Ansatz", kommentiert Thomas Fertl. "Fischler hat weder einen Vorschlag parat, wie diese Maßnahmen auf nationaler Ebene umgesetzt werden sollen, noch wer dafür bezahlen muss. Eigentlich belegen diese Leitlinien lediglich, dass es dringend eine EU-weite Regelung zur Lösung dieses Problems bedarf", so Thomas Fertl.

"Den Mitgliedstaaten bleibt nichts anderes übrig, als vorerst national effektive Schutzmaßnahmen zu ergreifen", so Fertl. "Die Minister Rauch-Kallat und Pröll müssen im Rahmen der anstehenden Gentechnik-Gesetz-Novelle Maßnahmen zum Schutz vor gentechnischen Verunreinigungen ausarbeiten. Auch den Initiativen der Bundesländer zur Ausweisung Gentechnik-freier Zonen kommt dabei eine wichtige Rolle zu ", schließt Fertl.

Das Dokument "Draft Commission Recommendation on Guidelines for the development of national strategies and best practices to ensure the co-existence of genetically modified crops with conventional and organic farming" finden Sie unter:
http://www.greenpeace.at/umweltwissen/gentech/pdf_files/draft_guidelines_for_coexistence.pdf

Der Greenpeace-Vorschlag zu Koexistenz ist verfügbar unter:
www.greenpeace.at/umweltwissen/gentech/pdf_files/greenpeace_position_zu_koexistenz.pdf

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Axel Grunt,
Pressesprecher Greenpeace,
01-5454580-33 od. 0664-2407075
Mag. Thomas Fertl,
Gentechnik-Experte Greenpeace,
01-5454580-24 oder 0664-4904986

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