AK-Test: Zinsennepp bei Teilzahlungen im Versandhandel (1)

Auf dem ersten Blick günstige Zinssätze im Katalog - Tatsächlich: Geschmalzene Jahreszinssätze - Saftige Spesen bei Zahlungsverzug

Wien (AK) - Rund 360.000 Haushalte in Österreich, ein Drittel
davon in Wien, können ihre Schulden bei Banken, Versandhäusern, Handybetreibern oder anderen Gläubigern nicht mehr begleichen. Bei Versandhäusern sind Kredite einfach, unbürokratisch zu erhalten -jedoch unverschämt teuer, zeigt ein AK-Test: Geworben wird zwar mit verführerischen Zinssätzen von 1 und 2 Prozent, aber pro Monat. Die Konditionen stehen im Kleingedruckten. Tatsächlich kann dann der Jahreszinssatz bis zu 18,4 Prozent ausmachen, sagt die AK, also viel teurer als ein Privatkredit.

Bereits an zweiter Stelle in der Schuldenstatistik stehen offene Versandhauskredite. Die AK Tester haben daher im April/Mai 14 Versandhäuser schriftlich um ihre Konditionen bei Teilzahlungen ersucht. Einige antworteten nicht, einige bieten keine Ratenzahlung mehr an oder haben den Versandhandel eingestellt. Insgesamt wurden 6 Versandhäuser (Heine Versand, Klingel, Neckermann, Quelle, Otto, Universal Versand) geprüft.

Kauf auf Pump wird in den Katalogen sehr beworben, und es gibt auch Beispiele für Ratenpläne. Für KonsumentInnen ist es jedoch schwierig abzuschätzen, wie teuer die Finanzierung tatsächlich wird, beanstanden die AK-Konsumentenschützer. Denn die Zinssätze bei Teilzahlungen sind extrem hoch und liegen zwischen 17,16 Prozent (Heine) und 18,40 Prozent (Universal) im Jahr. Für Konsumenten ist es irre führend, dass in den Katalogen meist Zinssätze pro Monat angegeben werden, die zwischen 1 und 2 Prozent ausmachen, wodurch sich die VerbraucherInnen leicht verleiten lassen. Auch Angaben wie "Rückzahlung nur 1,50 Euro für 100 Euro Kreditsumme" lassen die Finanzierung billig erscheinen. Die AK kritisiert auch: Die Zinsberechnung ist sehr intransparent. Die genauen Konditionen findet man nur im Kleingedruckten, die Gesamtbelastung überhaupt nicht, obwohl eine gesetzliche Verpflichtung besteht.

Nur Neckermann und Universal stellten Musterverträge zur Verfügung. Jedoch ist weder in den Musterverträgen noch in den Geschäftsbedingungen die gesetzlich vorgeschriebene Zinsgleitklausel enthalten. Nach Angaben der Versandhändler erfolgt auch eine genaue Bonitätsprüfung des Kunden durch Abfrage beim Kreditschutzverband, in Einzelfällen wird auch ein Einkommensnachweis verlangt.

Eine vorzeitige Rückzahlung bzw höhere Ratenzahlung ist bei allen Anbietern möglich. Bei Zahlungsverzug fallen zusätzlich Kosten für Mahnungen bis zu 14,50 Euro an.

Die AK-Tester haben einen Privatkredit mit den Teilzahlungsangeboten der Versandhäuser verglichen: Der Privatkredit ist billiger. Ein Privatkredit von 1.200 Euro und dreijähriger Laufzeit kostet bei einem Zinssatz von 6 Prozent pro Jahr und 1 Prozent Bearbeitungsgebühr 1.325 Euro. Die selbe Teilzahlung vom Versandhändler mit einem Zinssatz von 1,55 Prozent pro Monat kostet insgesamt 1.574 Euro, also um 249 Euro mehr, das sind knapp 16 Prozent. (Forts)

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