"Neues Volksblatt" Kommentar: "Prinzipien" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 23. Juli 2003

Linz (OTS) - =

Jetzt muss sogar der Wiener Bürgermeister als
sozialdemokratisches Schwergewicht herhalten, um die SPÖ über ihr unausgegorenes Verhältnis zu den Freiheitlichen drüberzuschwindeln. Die Distanzierung, die Michael Häupl dabei vollzieht, ist genau so fadenscheinig wie die seines Parteiobmannes Gusenbauer. Häupl isst zwar keinen Spargel mit Jörg Haider - die Spargelzeit ist offenbar vorbei - zum Pakt mit dem Teufel ist er aber jederzeit bereit, wenn es gilt die Regierung zu ärgern. Das nenne ich eine aufrechte Haltung. Der Zweck heiligt wieder einmal die Mittel. Da lobe ich mir die Zeit der kategorischen Ausgrenzung der Freiheitlichen durch die SPÖ. Da war noch etwas von Prinzipien zu spüren, weil man aus ideologischen Gründen mit dieser Partei nichts zu tun haben wollte. Ganz zu schweigen vom Geschrei, als Schüssel eine schwarz-blaue Koalition einging. Heute findet Häupl nur mehr das Argument, die FPÖ werde es bald nicht mehr geben. Heißt das, dass sie ansonsten akzeptabel wäre? Und sei es nur zur Mehrheitsbeschaffung im Parlament? Danke, Herr Häupl, für diese späte Rechtfertigung der Koalitionsentscheidung der ÖVP.

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